Menu
menu

Um­welt­mi­nis­te­ri­um för­dert Bau von fes­tem Wei­de­zaun im Na­tur­schutz­ge­biet „Sal­zi­ger See“

Staats­se­kre­tär über­reicht Be­scheid über 138.500 Euro an NABU-​Stiftung

Salz­wie­sen sind im deut­schen Bin­nen­land ver­gleichs­wei­se sel­ten, bie­ten aber vie­len an­ge­pass­ten Tier- und Pflan­zen­ar­ten wie der Süd­li­chen Bin­sen­jung­fer,  sel­te­nen Klein­schmet­ter­lin­gen sowie der Strand-​Aster und dem Quel­ler wert­vol­len Le­bens­raum. Mit dem rund 448 Hekt­ar gro­ßen Na­tur­schutz­ge­biet „Sal­zi­ger See“ bei Lu­ther­stadt Eis­le­ben (Land­kreis Mansfeld-​Südharz) ver­fügt Sachsen-​Anhalt über eine be­deu­ten­de Salzwiesen-​Fläche. Das Pro­blem: Auf dem ehe­ma­li­gen See­bo­den hat sich durch feh­len­de Nut­zung viel­fach eine mo­no­to­ne Schilf-​Fläche ge­bil­det, wel­che die Salz­wie­sen über­wächst und die Le­bens­räu­me der dort le­ben­den Arten ge­fähr­det. Die Lö­sung: Eine 130 Hekt­ar große Flä­che soll mit einem fes­ten, acht Ki­lo­me­ter lan­gen Zaun um­ge­ben und an­schlie­ßend ex­ten­siv be­wei­det wer­den.

Die­ses Pro­jekt der NABU-​Stiftung Na­tio­na­les Na­tur­er­be wird durch das Um­welt­mi­nis­te­ri­um mit 138.500 Euro ge­för­dert; davon kom­men 104.000 Euro aus dem Eu­ro­päi­schen Land­wirt­schafts­fonds zur Ent­wick­lung des länd­li­chen Raums (ELER) und 34.500 Euro vom Mi­nis­te­ri­um. Den För­der­be­scheid hat Umwelt-​Staatssekretär Dr. Stef­fen Eich­ner heute vor Ort an Dr. Sven­ja Samm­ler von der NABU-​Stiftung über­reicht; sie be­treut die Stif­tungs­flä­chen in Sachsen-​Anhalt, zu denen auch das Pro­jekt­ge­biet am Sal­zi­gen See ge­hört. Der Zaun soll bis Ok­to­ber 2025 fer­tig sein und ab 2026 die re­gel­mä­ßi­ge Be­wei­dung von ver­schilf­tem Feucht­grün­land, Salzwiesen-​Entwicklungsflächen und an­gren­zen­den Tro­cken­ra­sen­hän­gen er­mög­li­chen.

Eich­ner be­ton­te: „In vie­len Re­gio­nen Sachsen-​Anhalts ste­hen wir vor der Her­aus­for­de­rung, dass unter Na­tur­schutz ste­hen­de Flä­chen durch feh­len­de Nut­zung ver­bu­schen oder ver­schil­fen. Da­durch sind ge­schütz­te Le­bens­raum­ty­pen und die dort hei­mi­schen Arten ge­fähr­det. Des­halb un­ter­stüt­zen wir ver­stärkt In­ves­ti­tio­nen zum Er­halt die­ser wert­vol­len Flä­chen wie hier am Sal­zi­gen See. Ich freue mich, dass wir auch dank der EU-​Förderung das Pro­jekt der NABU-​Stiftung er­mög­li­chen kön­nen.“

Dr. Sven­ja Samm­ler un­ter­strich: „Wir freu­en uns, die Salz­wie­sen durch die Be­wei­dung wie­der zum Leben zu er­we­cken und gleich­zei­tig Dy­na­mik und Struk­tur und damit mehr Ar­ten­viel­falt in die Schilf­be­stän­de zu be­kom­men.“ Mar­tin Schul­ze von NABU-​Landesverband Sachsen-​Anhalt er­gänz­te, dass der Wei­de­zaun erst der An­fang eines ziel­ge­rich­te­ten Ma­nage­ments sein könne. Un­be­dingt mit­ge­dacht wer­den müsse eine ver­bes­ser­te Was­ser­füh­rung der Röh­rich­te und Seen sowie ein Prä­da­to­ren­ma­nage­ment. Erst dies zu­sam­men würde dem An­spruch des FFH- und Vo­gel­schutz­ge­bie­tes ge­recht wer­den. Der Zaun biete je­doch die per­fek­te Grund­la­ge, zu­künf­tig die im Ge­biet vor­han­de­nen Prä­da­to­ren zu re­du­zie­ren.

An­läss­lich der Förderbescheid-​Übergabe waren heute zudem Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Lan­des­ver­wal­tungs­amt, Hoch­schu­le An­halt, Lan­des­amt für Um­welt­schutz sowie Land­kreis Mansfeld-​Südharz zum Er­fah­rungs­aus­tausch vor Ort. Mit dabei waren auch die Bio-​Landwirte Ute und Vol­ker Stens, die einen gro­ßen Teil der NABU-​Stiftungsflächen am Sal­zi­gen See be­wirt­schaf­ten und künf­tig die Be­wei­dung der rund 130 Hekt­ar gro­ßen Pro­jekt­flä­che über­neh­men wer­den.


Bi­lanz zur EU-​Naturschutzförderung

In der aus­lau­fen­den EU-​Strukturfondsperiode sind in Sachsen-​Anhalt aus dem ELER rund 27 Mil­lio­nen Euro für 116 Na­tur­schutz­pro­jek­te be­wil­ligt wor­den; hinzu kam je eine 25-​prozentige Ko­fi­nan­zie­rung durch das Um­welt­mi­nis­te­ri­um, in Höhe von ins­ge­samt rund 9 Mil­lio­nen Euro. Wei­te­re 12 Pro­jek­te mit einem Ge­samt­um­fang von rund 3,6 Mil­lio­nen Euro wur­den aus dem EU-​Fonds zur Un­ter­stüt­zung des Wie­der­auf­baus nach der Corona-​Pandemie zu 100 Pro­zent von der EU fi­nan­ziert. In der ak­tu­el­len EU-​Förderperiode 2023-2027 ste­hen für die För­de­rung von Na­tur­schutz­pro­jek­ten ins­ge­samt 20 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung, davon 80 Pro­zent aus dem ELER (16 Mil­lio­nen Euro) und 20 Pro­zent Ko­fi­nan­zie­rung durch das Um­welt­mi­nis­te­ri­um (4 Mil­lio­nen Euro). Ein ers­ter För­der­auf­ruf für Pro­jek­te mit einer Lauf­zeit bis ma­xi­mal 2029 soll noch im April 2025 er­fol­gen.


Hin­ter­grund:

Der Sal­zi­ge See ge­hört geo­lo­gisch zum Teut­schen­tha­ler Sat­tel und ist durch Aus­lau­gung von salz­hal­ti­gen Ge­stei­nen im Un­ter­grund ent­stan­den. Ende des 19. Jahr­hun­derts wurde der See tro­cken­ge­legt und der Was­ser­stand über ein Pump­sys­tem re­gu­liert, um Was­ser­ein­brü­che im na­he­ge­le­ge­nen Kup­fer­schie­fer­berg­bau zu ver­hin­dern. Nach Ein­stel­lung des Berg­baus kam es trotz Pum­pen­be­trie­bes zur Ver­näs­sung von Teil­flä­chen des ehe­ma­li­gen See­bo­dens; so ent­stan­den die heu­ti­gen Flach­ge­wäs­ser mit aus­ge­präg­ten Schilf­röh­rich­ten, Salz- bzw. Feucht­wie­sen und gleich­zei­tig wert­vol­len Tro­cken­le­bens­räu­men auf den ehe­ma­li­gen Ufer­hang­kan­ten des Sal­zi­gen Sees. Die Feucht­ge­bie­te des Sal­zi­gen Sees ge­hö­ren zu den über­re­gio­nal be­deut­sa­men Brut- und Rast­ge­bie­ten, u.a. für Große Rohr­dom­mel, Fluss­re­gen­pfei­fer oder Rohr­wei­he. Zudem haben sel­te­ne und be­droh­te Li­bel­len, Lur­che, Heu­schre­cken­ar­ten und Klein­säu­ger ihren Le­bens­raum im Na­tur­schutz­ge­biet „Sal­zi­ger See“.

Kon­takt

Mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft,
En­er­gie, Kli­ma­schutz und Um­welt

des Lan­des Sachsen-​Anhalt
Leip­zi­ger Stra­ße 58
39112 Mag­de­burg

Te­le­fon: +49 391 567- 1950
E-​Mail: pr(at)mwu.sachsen-​anhalt.de

So­cial Media