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Biodiversität

Strategie des Landes zur Biologischen Vielfalt

Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2010 für die Jahre von 2011 bis 2020 die UN-Dekade zur biologischen Vielfalt ausgerufen. Damit wird die zentrale Bedeutung, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt für eine nachhaltige Entwicklung zukommt, unterstrichen.

Die UN-Dekade soll entscheidend dazu beitragen, globale Biodiversitätsziele umzusetzen. Mit ihr greifen die Vereinten Nationen zentrale Ergebnisse der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) auf. Die Dekade verstärkt somit den Handlungsdruck zum Schutz der Biodiversität.

Mit der 2010 verabschiedeten Strategie des Landes zur Biologischen Vielfalt (pdf, nicht barrierefrei) befindet sich Sachsen-Anhalt auf gutem Kurs die nationalen und internationen Anforderungen zu erfüllen. Die Strategie bietet die Chance, dass alle Akteure in den jeweiligen Themenfeldern sich konkrete Ziele setzen und Maßnahmen ergreifen, mit deren Realisierung sie einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten können. Ziel ist es, alle gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln, so dass sich die Gefährdung der biologischen Vielfalt in Sachsen-Anhalt deutlich verringert und als Fernziel die biologische Vielfalt einschließlich ihrer regionaltypischen Besonderheiten wieder zunimmt.

In der Strategie werden für alle biodiversitätsrelevanten Themen Ziele festgelegt, die nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten im Sinne des Leitprinzips Nachhaltigkeit berücksichtigt werden sollen.

Die Landesstrategie soll die Verantwortung in allen Handlungsfeldern deutlich machen, geeignete Wege zum erfolgreichen Biodiversitätsschutz aufzeigen und einen ausreichenden Personal- und Finanzeinsatz zur Erreichung dieser strategischen Ziele begründen. Darüber hinaus hat sie strategische Ansätze entwickelt, um auch konzeptionell eine Verzahnung innerhalb des Landes u. a. mit den Strategien zur Nachhaltigkeit und anderen Bereichen herzustellen.

Die strategischen Zielsetzungen richten sich an alle Ressorts, Fachbereiche und Verwaltungsebenen. Es ist von essentieller Bedeutung für die Zielerreichung, das fachliche und verwaltungsmäßige Handeln an den Anforderungen der biologischen Vielfalt zu orientieren. Für die Begleitung der konzeptionellen Umsetzung der Strategie durch wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und Facheinrichtungen des Landes bestehen darüber hinaus gute Voraussetzungen. Erfreulicherweise haben bereits die zahlreichen Aktivitäten sowie die umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt dazu geführt, dass das Thema Biodiversität auch in Sachsen-Anhalt stärker in den Focus beziehungsweise in das öffentliche Bewusstsein gerückt ist und inzwischen Eingang in die unterschiedlichen Politikfelder gefunden hat. Die Strategie zur biologischen Vielfalt hat den Anstoß dazu gegeben, dass man sich auf breiter Front mit dem Thema Biodiversität beschäftigt.

Dies widerspiegelt sich auch in den Zielsetzungen der Koalitionsvereinbarung, wo erste Handlungsansätze zur Förderung der Biodiversität formuliert wurden insbesondere auch in den wichtigen Bereichen der Forst- und Landwirtschaft.

So wollen sich die Koalitionspartner für die Erhaltung der Artenvielfalt und für den Erhalt vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen einsetzen. Weiterhin wird angestrebt, die Zielsetzungen der Flora-Fauna-Habitat- und der Wasserrahmenrichtlinie durch kooperative Zusammenarbeit von Verwaltung, Land- und Forstwirtschaft, Grundeigentümern, Naturschutz und Wasserwirtschaft zu erreichen und den Flächenanteil zertifizierter Waldflächen in Sachsen-Anhalt zu erhöhen.

Der weiteren Versiegelung von Flächen soll durch ein intelligentes Flächenmanagement entgegengewirkt werden, wobei angestrebt wird, eine weitere Erhöhung der Nettoversiegelungsfläche nicht zuzulassen. Hierzu kommt dem Flächenpool bei der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt (SUNK) im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen besondere Bedeutung zu.

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Aktionsplan Biologische Vielfalt in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt will den Schutz von Tier- und Pflanzenarten und von Ökosystemen ausbauen. Ein vom Kabinett am 24. September 2013 beschlossener Aktionsplan Biologische Vielfalt (pdf, nicht barrierefrei) benennt Maßnahmen für rund 60 Handlungsschwerpunkte.

Zu den im Aktionsplan festgeschriebenen Maßnahmen gehören unter anderem die Fortführung des Naturschutzgroßprojektes "Mittlere Elbe" zur Renaturierung eines durchgehenden Verbundes überflutbarer Auenwälder durch Deichrückverlegungen und die Förderung der Altlastensanierung in über 100 Projekten durch die Landesanstalt für Altlastenfreistellung. Wichtiger Teil sind die Aufstellung von Artenschutzprogrammen für Feldhamster, Rotmilan, Rotbauchunke, Großer Eichenbock , Goldener Scheckenfalter, Stängelloser Tragant und Wildbienen sowie die Konzeption zum Aufbau eines Brachflächenkatasters mit dem Ziel, Sparpotentiale bei der Inanspruchnahme von Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke zu erschließen. Der Aktionsplan ist nach der 2010 beschlossenen Strategie des Landes Sachsen-Anhalt zur biologischen Vielfalt der zweite wichtige Schritt zum Schutz der Biodiversität. Weltweit wird ein fortschreitender Artenschwund beobachtet. Die Rate des Artensterbens liegt durch menschlichen Einfluss heute hundert- bis tausendfach so hoch wie durch natürliches Artensterben. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat eine Rote Liste der bedrohten Arten erstellt. Demnach sind rund 15.500 Arten weltweit vom Aussterben bedroht, darunter 23 Prozent aller Säugetiere und zwölf Prozent der Vögel.

In Sachsen Anhalt fallen zwölf Prozent der Säugetiere und sechs Prozent der Vögel in die Kategorie der vom Aussterben bedrohten Arten. Die Umwelt produziere nach Berechnungen einer internationalen Wissenschaftlergruppe weltweit allein in den Naturschutzgebieten für die menschliche Gesellschaft Leistungen mit einem wirtschaftlichen Wert von fünf Billionen Dollar pro Jahr. In die Summe fließe ein, welchen Beitrag die Naturschutzgebiete zur Trinkwasser- und Luftaufbereitung oder beim Schutz vor Überschwemmung oder Erosion leisteten. Voraussetzung dafür sei die Artenvielfalt.

Im Aktionsplan werden zu den einzelnen Maßnahmen Angaben zum Zeitrahmen gemacht sowie Zuständigkeiten und Partner für die Durchführung benannt. Wichtige Partner bei der Durchführung der Maßnahmen sind zum Beispiel Landnutzer, Fachverbände, Kommunen, Forschungs- und Hochschuleinrichtungen. Die Landesverwaltung informiert und unterstützt bei der Umsetzung der Maßnahmen. Dabei kommt den Förderprogrammen eine wichtige Rolle zu. Die bestehenden Förderprogramme insbesondere in den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft, Ländlicher Raum und Forst sind wesentliche Finanzierungsinstrumente und werden überwiegend aus EU-Mitteln gespeist.

Der Aktionsplan soll jeweils zu Beginn der Legislaturperioden fortgeschrieben werden.

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Biodiversitätsindikatoren

Der Umsetzungsprozess verlangt nach einer verlässlichen und transparenten Erfolgskontrolle. Dabei ist jedoch zu beachten, dass viele eingeleitete Maßnahmen erst mittel- oder langfristig Fortschritte zeigen werden.

Teil der Strategie ist daher ein Indikatorenset zur Überprüfung der Zielerreichung der Landesstrategie. Biodiversitätsindikatoren (pdf, nicht barrierefrei) dienen der Vereinfachung komplexer Phänomene der biologischen Vielfalt, um diese quantifizieren und verständlich kommunizieren zu können. Das in der Strategie vorgestellte Indikatorenset ist nicht als abschließend anzusehen. Es wurde und wird in Anpassung an die Bundesindikatoren beständig fortentwickelt, um die Aussagen über die Wirksamkeit und die Erfolge der Strategie zu verbessern.

Die vorliegenden Indikatoren zur biologischen Vielfalt zeigen die Entwicklungstrends für Sachsen-Anhalt auf und stellen insbesondere dar, wo das Land mit seinen Bestrebungen steht, den Verlust an biologischer Vielfalt signifikant zu reduzieren beziehungsweise zu stoppen.

Die Indikatoren machen deutlich, dass die Ziele bislang nicht erreicht wurden, zeigen aber auch erste Fortschritte zum Beispiel bei der Zunahme des Anteils der ökologisch bewirtschafteten Flächen bei den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Genauso wird aber auch Handlungsbedarf deutlich.

Die methodische Fortschreibung der Indikatoren erfolgt analog bzw. korrespondierend zu den Erkenntnissen und Entwicklungen auf nationaler Ebene (Bundesindikatoren) und wird den aktuellen Erfordernissen entsprechend angepasst.

Gegenüber dem in der Strategie beschlossenen Indikatorenset ergeben sich daher bereits erste Veränderungen:

  • Die Indikatoren mit grafischen Darstellungen sind auf dieser Seite des Landesamtes für Umweltschutz (LAU) zu finden.
  • Der Indikator  "Natura 2000-Gebietsmeldungen" erfasste bisher die Fortschritte bei der Errichtung des Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Nach Abschluss des Meldeverfahrens für Natura 2000-Gebiete ist er entbehrlich geworden und wird nun nicht mehr berichtet.
  • Die Entwicklung des Indikators "Zersiedelung der Landschaft" ist noch nicht abgeschlossen. Der Indikator soll einen Bezug zwischen den räumlichen Aspekten der Siedlungsentwicklung und deren Wirkungen auf die biologische Vielfalt herstellen und wird derzeit auf Bundesebene entwickelt.
  • Der bisherige Indikator "Gewässergüte" ist durch die neu entwickelten Indikatoren "Ökologischer Gewässerzustand" und "Gewässerstruktur" abgelöst worden.
  • Der Indikator "Gentechnik in der Landwirtschaft" ruht.
  • Der Indikator "Flächenanteil zertifizierter Waldflächen" ist durch den Indikator "Waldzustand" ersetzt worden.

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EU-Strategie: "Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital - eine Biodiversitätsstrategie bis 2020"

Damit das Artensterben innerhalb der nächsten zehn Jahre gestoppt wird, hat die Europäische Kommission am 03. Mai 2011 eine Biodiversitätsstrategie vorgelegt. Die Strategie soll das neue EU-Ziel umsetzen, bis 2020 den Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosystemleistungen zum Stillstand zu bringen und die biologische Vielfalt sowie die Ökosystemleistungen so weit wie möglich wiederherzustellen und gleichzeitig den EU-Beitrag zur Abwendung des globalen Verlusts an biologischer Vielfalt aufzustocken. Durch diese Strategie sollen auch die wirtschaftlichen Schäden vermindert werden. So liegt zum Beispiel der Schaden wegen geringerer Bestäubung durch Insekten bei schätzungsweise 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Strategie mit dem Titel „Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital: eine Biodiversitätsstrategie bis 2020" umfasst sechs Ziele:

  • die Verbesserung der Situation von Arten und Wiederherstellung von Lebensräumen,
  • die bessere Vernetzung der Schutzgebiete des Netzes "Natura 2000" (Green Infrastructure),
  • die bessere Integration des Naturschutzes in die Agrarpolitik
  • die bessere Integration des Naturschutzes in die Fischereipolitik,
  • Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel und gegen invasive Arten (Invasive Alien Species, IAS),sowie
  • die Reduzierung des "ökologischen Fußabdrucks" der EU weltweit.

Sie entspricht auch den globalen in Nagoya eingegangenen Verpflichtungen zur weltweiten Eindämmung des Biodiversitätsverlusts.

Diese Strategie ist das wichtigste Instrument der EU zur Bewältigung des Biodiversitätsverlustes und zur Ausrichtung der Anstrengungen auf Bereiche, in denen die EU den höchsten Mehrwert erzielen und die stärkste Hebelwirkung entfalten kann; allerdings wird das existierende Umweltrecht der EU umfassend umgesetzt werden müssen, und es werden Maßnahmen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene erforderlich sein, wenn das Ziel für 2020 erreicht werden soll.

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Referat Biodiversität, Großschutzgebiete, Naturschutzförderung

Ministerium für Wissenschaft, Energie,
Klimaschutz und Umwelt
 des Landes Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg

Reinhold Sangen-Emden
Telefon: +49 391 567- 1901
E-Mail: reinhold.sangen-emden(at)mwu.sachsen-anhalt.de

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