Zusätzlich zur Sanierung von Deichen setzt das Umweltministerium beim Hochwasserschutz verstärkt darauf, den Flüssen Überschwemmungsflächen zurückzugeben. Das Maßnahmenprogramm „Fluss, Natur, Leben“ umfasst dafür landesweit 34 Vorhaben, darunter 24 Deichrückverlegungen und 10 Flutungspolder. Zwei erfolgreich umgesetzte Projekte besichtigte Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann heute im Rahmen seiner Hochwasserschutz-Tour: Nahe Sandau im Landkreis Stendal kann sich die Elbe bei Hochwasser auf zusätzlichen 184 Hektar ausbreiten; diese einstmals natürlichen Überflutungsgebiete wurden durch Rückverlegung zweier Deiche ins Hinterland reaktiviert. Sie wurden DIN-gerecht errichtet und schützen umliegende Siedlungen vor einem hundertjährlichen Hochwasser.
Willingmann sagte: „Mit Blick auf den Klimawandel und die erwartete Zunahme stärkerer Hochwasser reicht es nicht mehr aus, Deiche einfach immer höher zu bauen. Hier kommen wir schlichtweg an Grenzen. Gerade im Elbe-Havel-Winkel haben wir bei der Jahrhundertflut 2013 schmerzlich erlebt, welch ungeheure Kraft das Wasser haben kann. Deshalb investieren wir vermehrt in die Rückverlegung von Deichen und die Errichtung steuerbarer Flutpolder. Wenn sich unsere Flüsse bei Hochwasser gezielt ausbreiten können, schützen wir damit an anderer Stelle Menschen, Siedlungen und Infrastrukturen. Davon profitieren die Menschen in Sachsen-Anhalt und angrenzenden Ländern.“
Das Prinzip der Deichrückverlegung ist einfach: Durch den größeren Abstand zwischen neuem Deich und Fluss vervielfacht sich dessen Breite. Bei starkem Hochwasser kann die vergrößerte Fläche deutlich mehr Wasser aufnehmen – dadurch verringert sich der Hochwasserscheitel und die Sicherheit vor allem der Anrainer flussabwärts steigt. Zusätzlich profitieren Tiere und Pflanzen: Denn die Rückverlegung von Deichen schafft auch die Voraussetzung zur Entstehung wertvoller Auenlebensräume für viele, auch geschützte Arten.
Im Zuge der Deichrückverlegungen nördlich und südlich von Sandau sind im Hinterland zwei neue Deiche auf einer Gesamtlänge von rund 6,2 Kilometern errichtet worden. Die Altdeiche wurden geschlitzt, so dass sich die Elbe bei Hochwasser auf eine zusätzliche Fläche von insgesamt 184 Hektar ausdehnen kann. Insgesamt sind für diese Maßnahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogramms rund 30 Millionen Euro investiert worden, davon 18 Millionen vom Bund und 12 Millionen vom Land.
Zusätzlich zu den zwei umgesetzten Maßnahmen bei Sandau sind im Landkreis Stendal sechs weitere Deichrückverlegungen in Vorbereitung bzw. Planung: Zu den bedeutendsten Projekten zählen die Deichrückverlegung bei Wahrenberg, die in ein länderübergreifendes Vorhaben mit Niedersachsen und Brandenburg eingebettet ist, sowie die Deichrückverlegung mit integriertem Flutpolder bei Tangermünde. Durch beide Maßnahmen sollen im Landkreis Stendal insgesamt fast 5.600 Hektar zusätzliche Überschwemmungsflächen entstehen.
Seit 2002 wurden im Landkreis Stendal insgesamt rund 385 Millionen Euro in die Verbesserung des Hochwasserschutzes investiert, davon seit 2013 allein rund 287 Millionen Euro. Im Elbe-Havel-Winkel entsprechen aktuell alle Elbedeiche den aktuellen technischen Anforderungen zum Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser.

