Auch in Sachsen-Anhalt schreitet der Klimawandel weiter fort. Konkret wird das an verstärkt auftretenden Wetterextremen. Hitze- und Dürrephasen kommen wie Starkregen und Hochwasserereignisse häufiger vor. Sachsen-Anhalts Umwelt-Staatssekretär Steffen Eichner hat vor dem Hintergrund am heutigen Donnerstag die Alandregion bereist. Dort wollen die Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg gemeinsam mit dem Bund in den Hochwasserschutz und in natürlichen Klimaschutz investieren.
„Wir dürfen die Augen vor dem fortschreitenden Klimawandel bei uns im Lande nicht verschließen“, betonte Eichner. „Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam mit dem Bund und unseren Nachbarländern Hochwasserschutz grenzüberschreitend stärken. Zugleich aber auch natürlichen Klimaschutz fördern. Das Wegignorieren der Klimafolgen hilft niemanden, kann im Zweifelsfall gar gefährlich sein. Es gilt rechtzeitig in die Anpassung an den Klimawandel zu investieren, rechtzeitig die Weichen zu stellen.“
Durch die geplanten Deichrückverlegungen an der Elbe im Dreiländereck sollen länderübergreifend insgesamt bis zu 1.560 Hektar Überflutungs- und Retentionsflächen geschaffen werden. Die Elbe erhält dadurch bei Hochwasser wieder mehr Raum. Die zusätzlichen Flächen ermöglichen außerdem verstärkten Wasserrückhalt in der Fläche, wodurch Hochwasserwellen gedämpft werden. Die Maßnahmen tragen damit zum Schutz der Ober- und Unterlieger entlang der Elbe bei.
Kern der Planungen auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts ist eine großflächige Deichrückverlegung bei Wahrenberg im Landkreis Stendal. Abhängig von der gewählten Deichrückverlegungsvariante kann hier eine Retentionsfläche von ca. 1.300 ha wiedergewonnen werden. Hydraulische Untersuchungen zeigen, dass deutliche Wasserstandsabsenkungen von bis zu einem Meter im Bereich Wahrenberg erreicht werden können. Das Vorhaben ist Bestandteil des Maßnahmenprogramms „Fluss, Natur, Leben“, die Gesamtkosten des Teilprojekts werden aktuell auf rund 85 Millionen Euro geschätzt. Die Finanzierung soll über das Nationale Hochwasserschutzprogramm (NHWSP) zu 60 Prozent aus Bundes- und zu 40 Prozent aus Landesmitteln erfolgen.
Neben den Deichrückverlegungen soll im Rahmen des Projekts „Natürlicher Klimaschutz an unterer Mittelelbe und in der Alandregion“ (NaKliMA) die Renaturierung und Entwicklung der Gewässer- und Auenlandschaft in den Bereichen von Elbe und Aland vorangetrieben werden. Finanziert werden soll zunächst eine Projektphase I (Projektentwicklung) des Projekts mit rund 3,1 Millionen Euro über das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz des Bundes. Hierbei geht es um die Entwicklung eines sozialverträglichen Maßnahmenpakets gemeinsam mit den Beteiligten, mit den Trägern öffentlicher Belange sowie örtlichen Interessenvertretern und direkt Betroffenen. In der zweiten Phase soll die Auenrenaturierung dann in die Umsetzung gehen. Ziele dabei werden die Reduktion von Treibhausgasen, naturnaher Wasserhaushalt und Hochwasserschutz sowie die Förderung der lokalen Artenvielfalt sein, wie es das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz des Bundes vorsieht.
Die Aland-Elbe-Niederung in Sachsen-Anhalt ist eine naturnahe Flusslandschaft mit Grünlandkomplexen und Auenwaldresten. Ihre Hydrologie wird stark von Elbe-Hochwasser, Qualmwasser und dem Rückstau des Alandes beeinflusst, was zu einem wertvollen Mosaik aus Altwassern, Flutrinnen, Röhrichtzonen und vereinzelten Binnendünen führt. Die strukturreiche Stromtalaue zeichnet sich durch charakteristische Auen-Lebensraumtypen aus, darunter Brenndolden-Auenwiesen, Hart- und Weichholzauenwälder sowie Verlandungsvegetationen.
Das Gebiet, einschließlich seiner Gewässer, ist ein internationales Reservat für Brut-, Rast- und Zugvögel, besonders bedeutsam dabei auch als Brutgebiet für Kranich, Seeadler und Wachtelkönig. Es ist zudem herausragend bedeutsam für seine Vorkommen von Biber und Fischotter sowie für geschützte Fischarten.

