FAQ – Gasversorgung in Sachsen-Anhalt
Die Gasversorgung ist für viele Lebensbereiche von Bedeutung: vom Heizen zu Hause bis zur Energieversorgung in Unternehmen. Aktuelle Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten – insbesondere geopolitische Konflikte und Kriege – haben jedoch zum Teil massive Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit. Das FAQ bietet Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zur Gasversorgung in Sachsen-Anhalt.
- Warum wirkt sich der Iran-Krieg auf die Preisentwicklung beim Gas aus?
- Zeichnen sich durch den Iran-Krieg Versorgungsengpässe bei der Gasversorgung für Deutschland ab?
- Muss mit anhaltend hohen Gaspreisen gerechnet werden, wenn der Iran-Krieg länger andauert?
- Ist mit einem Rückgang der Preise zu rechnen, wenn die Straße von Hormus für Frachtschiffe wieder befahrbar ist?
- Wie ist die aktuelle Versorgungslage?
- Werden die Speicher bis zum nächsten Winter wieder ausreichend befüllt?
- Wie viel Erdgas wird in Deutschland und Sachsen-Anhalt im Jahr verbraucht?
- Wer sind die größten Verbraucher in Deutschland und Sachsen-Anhalt?
- Aus welchen Ländern erhält Deutschland Erdgas?
- Welche Rolle spielt Flüssiggas (LNG) bei der deutschen Gasversorgung? Welche Rolle wird es in Zukunft spielen?
- Weshalb wird in Deutschland Gas eingespeichert?
- Nach welchen Kriterien bzw. nach welchem Modell wird in Deutschland Gas gespeichert?
- Gibt es in Sachsen-Anhalt Gasspeicher? Wie groß sind sie bzw. wie groß sind die Kapazitäten im Vergleich zu anderen Bundesländern?
- Kommt es in Deutschland zu Versorgungsengpässen, wenn die Speicher leer sind?
- Müssen Verbraucher in Deutschland mit steigenden Gaspreisen in den kommenden Jahren rechnen?
- Welche Faktoren beeinflussen die Preisbildung beim Gas?
Warum wirkt sich der Iran-Krieg auf die Preisentwicklung beim Gas aus?
Derzeit erhält Deutschland nahezu ausschließlich Gas, das nicht durch die Straße von Hormus transportiert werden muss. Eine direkte Abhängigkeit besteht daher nicht. Der Markt für Flüssiggas (LNG) ist jedoch global. Wenn aus den arabischen Ländern aktuell weniger LNG vor allem nach Asien geliefert wird, verknappt sich das weltweite Angebot. Das wirkt sich auf die Preise aus. Gleichzeitig kaufen Händler Gas überwiegend langfristig ein. Die aktuellen Preissteigerungen betreffen daher vor allem kurzfristige Beschaffungen.
Zeichnen sich durch den Iran-Krieg Versorgungsengpässe bei der Gasversorgung für Deutschland ab?
Nach aktuellem Stand ist Deutschland ausreichend mit Gas versorgt. Es besteht keine Abhängigkeit von Lieferungen aus der Golfregion.
Muss mit anhaltend hohen Gaspreisen gerechnet werden, wenn der Iran-Krieg länger andauert?
Der derzeit sehr starke Preisanstieg steht im Zusammenhang mit dem Krieg. Zu erwarten ist, dass sich die Preise am weiteren Verlauf der Krise orientieren, beispielsweise daran, ob die Straße von Hormus geschlossen bleibt oder wieder für den Frachtverkehr geöffnet wird. Preisdämpfend kann zudem der Bau neuer Verflüssigungsanlagen und Terminals, beispielsweise in Texas in den USA, wirken. Dadurch erweitern sich die Kapazitäten im LNG-Markt.
Ist mit einem Rückgang der Preise zu rechnen, wenn die Straße von Hormus für Frachtschiffe wieder befahrbar ist?
Die faktische Sperrung der Straße von Hormus ist eine zentrale Ursache für den starken Preisanstieg für Gas. Wenn sie wieder befahrbar ist, ist mit sinkenden Preisen zu rechnen. Wie stark dieser Rückgang ausfällt, hängt vom weiteren Kriegsverlauf im Iran ab.
Wie ist die aktuelle Versorgungslage?
Die Gasspeicher in Deutschland sind für die restliche Heizperiode ausreichend gefüllt (21,5 Prozent, Stand: 9. März 2026). Angesichts der nun wieder milden Witterung ist davon auszugehen, dass sich dieser Füllstand nur wenig verändert. Aktuell wird bereits wieder Gas eingespeichert. Versorgungsengpässe sind derzeit nicht zu erwarten.
Werden die Speicher bis zum nächsten Winter wieder ausreichend befüllt?
Die Gashändler sind dafür verantwortlich, ausreichend Gas für ihre Kunden zu beschaffen und einzuspeichern. Aufgrund der aktuell hohen Preise wird damit teilweise noch abgewartet. Es gelten jedoch weiterhin gesetzliche Vorgaben zum Füllstand, zum Beispiel 70 Prozent bis zum 1. November. Zudem wird derzeit politisch über die Einführung einer strategischen Gasreserve diskutiert.
Wie viel Erdgas wird in Deutschland und Sachsen-Anhalt im Jahr verbraucht?
Wer sind die größten Verbraucher in Deutschland und Sachsen-Anhalt?
Mit 38,2 Prozent entfällt der größte Anteil des Gasverbrauchs auf den Heizwärmebedarf privater Haushalte, einschließlich Fernwärme, gefolgt von der Industrie mit 35,3 Prozent. An dritter Stelle stehen die Stromversorgung (13,6 Prozent) sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (13,0 Prozent). Zu den größten einzelnen Verbrauchern zählen Unternehmen der chemischen Industrie wie BASF oder SKW Piesteritz in Sachsen-Anhalt.
Aus welchen Ländern erhält Deutschland Erdgas?
Die inländische Förderung deckte im Jahr 2025 rund 2,9 Prozent des Verbrauchs. Zusätzlich wurden etwa 1,1 Prozent Biogas ins Erdgasnetz eingespeist. Derzeit stammen die Importe zu 42,7 Prozent aus Norwegen, zu 23,8 Prozent aus den Niederlanden, zu 21,6 Prozent aus Belgien und zu 11,9 Prozent aus deutschen LNG-Terminals. Ein Teil der importierten Mengen – etwa ein Viertel – wird in andere Länder weitergeleitet (Durchleitung).
Welche Rolle spielt Flüssiggas (LNG) bei der deutschen Gasversorgung? Welche Rolle wird es in Zukunft spielen?
LNG trägt dazu bei, die Importwege zu diversifizieren. Neben Pipelines können so auch Lieferungen aus Ländern erfolgen, die nicht direkt angebunden sind, etwa aus den USA oder aus Staaten der Golfregion. Dabei spielen nicht nur deutsche LNG-Terminals eine Rolle, sondern auch Anlagen in Nachbarländern wie Belgien, die in das deutsche Gasnetz einspeisen.
Weshalb wird in Deutschland Gas eingespeichert?
Gasspeicher sind ein zentraler Bestandteil der Gasversorgung. Sie gleichen saisonale Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage aus. Im Sommer wird mehr Gas geliefert, als verbraucht wird. Die überschüssigen Mengen werden gespeichert. Im Winter ist der Verbrauch höher als die laufenden Lieferungen, sodass zusätzlich Gas aus den Speichern entnommen wird. Es ist ein normaler Vorgang, dass sich die Speicher zum Ende des Winters leeren.
Nach welchen Kriterien bzw. nach welchem Modell wird in Deutschland Gas gespeichert?
In Deutschland sind die Aufgaben der Netzbetreiber, Speicherbetreiber und Gashändler voneinander getrennt. Netzbetreiber transportieren das Gas über Leitungen. Speicherbetreiber betreiben die entsprechenden Anlagen und die notwendige Technik. Gashändler planen den erwarteten Bedarf, berücksichtigen Lieferwege sowie Preise und leiten daraus ab, wie viel Gas gespeichert werden muss. Entsprechend buchen sie Speicherkapazitäten.
Die Finanzierung erfolgt unter anderem über den sogenannten „Sommer-Winter-Spread“, also die Preisdifferenz zwischen den niedrigeren Sommer- und den höheren Winterpreisen. In den vergangenen Jahren war dieser Unterschied gering. Das wirkt sich wiederum auf die Nutzung der Speicher aus.
Gibt es in Sachsen-Anhalt Gasspeicher? Wie groß sind sie bzw. wie groß sind die Kapazitäten im Vergleich zu anderen Bundesländern?
Die gesamte Speicherkapazität in Deutschland beträgt 251,14 TWh. In Sachsen-Anhalt befinden sich Gasspeicher in Bernburg und Bad Lauchstädt (gemeinsam vermarktet) mit einer Kapazität von 22,86 TWh, in Staßfurt mit 6,83 TWh, in Peißen mit 6,5 TWh und in Peckensen mit 3,94 TWh. Damit entfallen insgesamt rund 16 Prozent der deutschen Speicherkapazität auf Sachsen-Anhalt.
Kommt es in Deutschland zu Versorgungsengpässen, wenn die Speicher leer sind?
Wenn die Speicher leer wären, müsste der Verbrauch an die verfügbaren Importe angepasst werden. Es könnte dann nur so viel Gas genutzt werden, wie importiert werden kann. Im Winter könnte dies im Extremfall zu Versorgungsengpässen führen. Für diesen Fall wurde der Notfallplan Gas im Jahr 2023 aktualisiert. Er regelt unter anderem die Verteilung des Gases. Dabei werden geschützte Kundengruppen wie Privathaushalte und soziale Einrichtungen bevorzugt versorgt.
Durch LNG-Terminals stehen zusätzliche Importmöglichkeiten zur Verfügung, die Gas flexibler ins Netz einspeisen können. Das erhöht die Versorgungssicherheit.
Müssen Verbraucher in Deutschland mit steigenden Gaspreisen in den kommenden Jahren rechnen?
Eine verlässliche Preisvorhersage ist nur eingeschränkt möglich. Das zeigen die schwer vorhersehbaren Auswirkungen vergangener Krisen wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Iran-Krieg. Nach einem deutlichen Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 sind die Gaspreise zuletzt wieder gesunken. Insgesamt gibt es jedoch Hinweise auf steigende Kosten. Dazu zählen unter anderem höhere Netzentgelte bei sinkenden Transportmengen, steigende Beschaffungspreise sowie ein zunehmender CO₂-Preis.
Welche Faktoren beeinflussen die Preisbildung beim Gas?
Eine verlässliche Preisvorhersage ist nur sehr eingeschränkt möglich. Das zeigen die schwer vorhersehbaren Auswirkungen vergangener Krisen und Kriege wie in der Ukraine oder im Iran. Nach einem deutlichen Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 sind die Gaspreise zuletzt wieder gesunken. Insgesamt gibt es jedoch Hinweise auf steigende Kosten. Dazu zählen unter anderem höhere Netzentgelte bei sinkenden Transportmengen, steigende Beschaffungspreise sowie ein zunehmender CO₂-Preis.
Welche Faktoren beeinflussen die Preisbildung beim Gas?
Der Gaspreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen:
- Energiebeschaffung (Erzeugung und Einkauf), Vertrieb und Gewinnmarge
- Netzentgelt, also die Gebühr für die Nutzung der Gasnetze
- Entgelt für Messung und Messstellenbetrieb, insbesondere für Zähler und Ablesung
- Steuern: Umsatzsteuer und Energiesteuer
- Abgaben und Umlagen: Konzessionsabgabe, CO₂-Abgabe, Marktraum-Umstellungsumlage sowie weitere Umlagen und Entgelte (zum Beispiel für Biogas, Gasspeicher, Bilanzierung und Konvertierung)

