Die Chemieindustrie steht aktuell vor großen Herausforderungen: anhaltend hohe Energiepreise bedrohen die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem steht die Branche unter Druck, angesichts des fortschreitenden Klimawandels verstärkt erneuerbare Rohstoffe einzusetzen und Treibhausemissionen zu sparen. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann setzt auf die Förderungen von Innovationen, damit die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt die Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Auf seiner Sommertour unter dem Motto „Energie & Innovation“ hat er am heutigen Donnerstag einen Bescheid über 4,7 Millionen Euro an das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP in Leuna überreicht.
Das Fraunhofer CBP kann mit den Mitteln die Forschungsinfrastruktur erweitern. Mit den Pilot- und Demonstrationsanlagen des Zentrums können Unternehmen energieeffiziente Verfahren auf Basis erneuerbarer Rohstoffe entwickeln und im größeren Maßstab erproben. Für die Erweiterung der Forschungskapazitäten erhält das Fraunhofer CBP insgesamt rund 13 Millionen Euro aus dem Just Transition Fund (JTF) der EU, weitere Bescheide über 7,75 Millionen Euro hatte das Fraunhofer CBP bereits in den vergangenen Monaten erhalten. Die Mittel des Fonds sind explizit für Vorhaben zur erfolgreichen Gestaltung des Strukturwandels im mitteldeutschen Braunkohle-Revier vorgesehen.
„Die Chemieindustrie ist eine tragende Säule der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, sie steht für Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeitsplätze“, betonte Willingmann. „Zweifellos steht die Branche mit Blick auf höhere Energiepreise und die klimaneutrale Transformation vor Herausforderungen. Diese lassen sich aber bewältigen, wenn konsequent in Innovation investiert wird. Wir stärken mit der JTF-Förderung unsere Forschungsinfrastrukturen am Fraunhofer CBP, damit unsere Unternehmen in Leuna beste Voraussetzungen für die Entwicklung technischer Innovationen haben. Sei es mit Blick auf energieeffiziente Verfahren oder auch die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe. Wirtschaft ist immer dann erfolgreich, wenn sie innovativ ist. Mit dem Blick in den Rückspiegel zurück in das fossile Zeitalter sollten wir uns nicht aufhalten, wenn wir auch in Zukunft hohe Wertschöpfung und Arbeitsplätze bei uns im Lande haben wollen.“
Prof. Dr. Petra Kluger, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, zu dem das CBP als Institutsteil gehört, erklärte: „Am Fraunhofer CBP verbinden wir unsere Entwicklungs- und Skalierungskompetenzen in der Chemie und Biotechnologie, um die Innovationslücke zwischen Forschung und industrieller Umsetzung zu schließen. Mit den vom Land bewilligten Investitionen für den Ausbau unserer Forschungsinfrastruktur können wir Unternehmen bei den kapitalintensiven Schritten der Skalierung in den Pilotmaßstab noch besser unterstützen und Risiken unserer Partner minimieren. Davon profitiert die mitteldeutsche Industrie, aber auch der Standort Deutschland und die Zukunftsfähigkeit Europas.“
Mit der jüngsten Förderung über 4,7 Millionen Euro soll Entwicklung und Erprobung biotechnologischer Verfahren erweitert werden. Dafür soll ein größerer Fermenter sowie die dazugehörige Vorbereitungs- und Aufarbeitungsstrecke installiert werden, sodass biotechnologische Prozesse künftig auch unter industrierelevanten Sicherheits- und Explosionsschutzbedingungen (ATEX) getestet und weiterentwickelt werden können.
Vier weitere Bescheide über 7,75 Millionen Euro hatte das Fraunhofer CBP in diesem und im vergangenen Jahr bereits erhalten. Dazu zählte unter anderem die geförderte Investition in eine Sichtermühle und einen Sichter zur Gewinnung proteinreicher Mehle aus heimischen pflanzlichen Rohstoffen, wie beispielsweise Raps, Erbsen oder Sonnenblumenkernen. Diese Anlagen erlauben es Saaten und Hülsenfrüchte mechanisch so aufzubereiten, dass die Abtrennung einer proteinreichen Fraktion für die Verwendung in der Lebensmittelindustrie möglich ist. Die Anlage komplementiert die Ölsaaten-Bioraffinerie, die bereits zur schonenden Extraktion ölhaltiger Saaten am Fraunhofer CBP im Einsatz ist.
Das Fraunhofer-Zentrum befindet sich auf dem Chemiewerksgelände der InfraLeuna GmbH. „Wir verstehen uns als Brücke zwischen Forschung und Industrie. Als Skalierungseinrichtung stellen wir unseren Partnern und Kunden die benötigte Infrastruktur und Technikumsanlagen bereit, über die sie selbst nicht verfügen. Das spart Zeit und Geld und senkt die Entwicklungsrisiken für Firmen enorm“, erklärte Dr. Christine Rasche, Bereichsleiterin Chemische und biotechnologische Prozesse.
Energieminister noch bis morgen auf Sommertour
Die Stärkung der erstklassigen Wissenschaftslandschaft in Sachsen-Anhalt zählt in diesem Jahr zu den zentralen Themen der Sommertour von Energieminister Willingmann. Noch bis Freitag wird der Minister auf seiner fünftägigen Tour unter dem Motto „Energie & Innovation“ zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen besuchen, wird Förderbescheide überreichen und sich über erfolgreich realisierte Vorhaben informieren. Neben der Förderung von Innovationen und Forschungsinfrastrukturen geht es bei der Tour auch um die Energie- und Wärmewende sowie wichtige Weichenstellungen in diesem Zusammenhang. Darüber hinaus geht es um nachhaltiges Unternehmertum.

