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Willingmann kritisiert Brüsseler Bürokratie beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft

Energieminister legt fortgeschriebene Landesstrategie im Kabinett vor

Sachsen-Anhalt könnte sich in den kommenden Jahren zu einem führenden Wasserstoffland entwickeln. Doch der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist bundesweit ins Stocken geraten. Die Landesregierung will dennoch an der Zukunftstechnologie festhalten: Am heutigen Dienstag hat Sachsen-Anhalts Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann im Kabinett die überarbeitete Wasserstoffstrategie des Landes vorgestellt. Neben klaren Zielen für den weiteren Aufbau der Wasserstoffwirtschaft bestehen große Erwartungen an die EU-Kommissionen, bürokratische Hürden abzubauen, damit grüner Wasserstoff günstiger und für die Wirtschaft attraktiver wird.

„Wir kommen in Deutschland beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft nur schleppend voran“, sagte Willingmann. „Das liegt auf den ersten Blick am Preis für den grünen, klimaneutral erzeugten Wasserstoff, der zwischen acht und zehn Euro je Kilogramm liegt. Die Hauptursache liegt aber in unsicheren Rahmenbedingungen und bürokratischen Regeln der EU. Sie führen dazu, dass sich Unternehmen bei Investitionen in klimaneutrale Zukunftstechnologien wie grünen Wasserstoff derzeit zurückhalten.“ Weiter betonte der Minister: „Brüssel muss hier die Bremsklötze lösen!“

Aktuell dürfen Unternehmen ihren erzeugten Wasserstoff nur dann als „grün“ verkaufen, wenn sie nachweisen können, dass ihre Anlage genau in der Stunde Ökostrom verbraucht hat, in der auch der Wasserstoff erzeugt wurde. Der Ökostrom muss zudem aus extra für die Wasserstoffproduktion errichteten Windkraft- oder Solaranlagen kommen. „Das ist in der Praxis kaum machbar und macht Wasserstoff unnötig teuer“, kritisiert Willingmann. „Wir haben es hier mit einem absurden Bürokratie-Monster zu tun, mit der eine Zukunftstechnologie in ganz Europa ausgebremst wird.“

Willingmann kündigte an, dass er gemeinsam mit den Energieministerinnen und -Ministern der Länder weiter beim Bund und in Brüssel auf schnelle Änderungen im Rechtsrahmen dringen will. „Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, gerade wenn es um Großinvestitionen geht“, betonte der Minister. In Sachsen-Anhalt seien wichtige Weichen für den Wasserstoff bereits gestellt und auch die Entwicklungsperspektiven für die Wasserstoffwirtschaft seien vielversprechend.

Landeswasserstoffstrategie mit klaren Zielen

Trotz mancher Unwägbarkeiten auf europäischer Ebene hat sich die Landesregierung in der neuen Landeswasserstoffstrategie auf klare Ziele verständigt. Bis 2030 soll die Erzeugungsleistung von Wasserstoff von aktuell 60 Megawatt auf bis zu 600 Megawatt steigen. Gemeinsam mit den privaten Netzbetreibern soll in den nächsten Jahren ein Verteilnetz für Wasserstoff hergerichtet werden, das industrielle Verbrauchszentren wie Chemieparks mit dem überregionalen Wasserstoffkernnetz verbindet. Die Ausweitung der Erzeugungskapazitäten auf ein Gigawatt bis 2035 soll dazu beitragen, den Preis für grünen Wasserstoff auf drei bis fünf Euro pro Kilogramm zu drücken.

Um die Nachfrage nach neutral erzeugtem Wasserstoff anzureizen, schlägt Energieminister Willingmann die Entwicklung eines Quotenmodells vor. „Energieintensive Industrien, die heute mit Erdgas arbeiten, könnten über ein gestuftes Quotenmodell schrittweise auf Wasserstoff umsteigen“, erläuterte Willingmann. „Als Branchen kommen Chemie-, Düngemittel-, Stahl- und Metallindustrie in Frage. Die EU müsste zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit entsprechende Quoten dann auch für Importe in den europäischen Markt verlangen. Derartige Quoten sind aber nichts neues, wir kennen sie beispielsweise bei Biosprit.“

Die fortgeschriebene Wasserstoffstrategie ist auf den Internetseiten des Energieministeriums abrufbar: https://lsaurl.de/h2fortschreibung

Kontakt

Ministerium für Wissenschaft,
Energie, Klimaschutz und Umwelt

des Landes Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg

Telefon: +49 391 567- 1950
E-Mail: pr(at)mwu.sachsen-anhalt.de

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