Der Aufbau der Wasserstoff-Wirtschaft kommt in Deutschland momentan nur schleppend voran. Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann wird deshalb am Freitag im Bundesrat zu einem Entschließungsantrag aus dem Saarland sprechen, der die Bundesregierung auffordert, sich entschlossener für den Abbau bürokratischer Hürden einzusetzen. „Betreiber von Elektrolyseuren müssen heute fast stunden- und standortgenau nachweisen, dass ihr Strom aus neuen, zusätzlichen Wind- oder Solaranlagen stammt. Das ist Bürokratie pur und einer von mehreren Bremsklötzen, die diese wichtige Zukunftsbranche ausbremsen“, kritisierte Willingmann.
Der Minister fordert deshalb die Bundesregierung auf, sich entschlossener für den Abbau bürokratischer Hürden bei der EU einzusetzen. „Wenn wir grünen Wasserstoff wollen, müssen wir seine Produktion auch wirtschaftlich ermöglichen“, erklärte Willingmann. „Die Bundesregierung muss sich auf europäischer Ebene für eine flexiblere Handhabung des regulatorischen Rahmens einsetzen. Nur dann kommen Projekte, die heute in den Schubladen liegen, wirklich ans Netz.“
Konkret fordert der Minister, dass die Kriterien, mit denen definiert wird, wann Wasserstoff als klimaneutral erzeugt und damit grün gelten darf, für einen leichteren Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft gelockert werden sollten. Zudem brauche es verlässliche Förderinstrumente. „Die Befreiung der Elektrolyseure von Stromnetzentgelten hat sich bewährt und muss über das Jahr 2029 hinaus fortgeschrieben werden. Elektrolyseure sollten außerdem vom Industriestrompreis profitieren“, erläuterte Willingmann. „Es gibt ein Bündel von Maßnahmen und Instrumenten, die dazu beitragen könnten, endlich wieder Schwung in die Wasserstoff-Branche zu bringen. Mit Wasserstoff könnten wir nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wir würden gerade im Hinblick auf die energieintensive Industrie die Abhängigkeit zu fossilem Öl und Gas reduzieren.“
Sachsen-Anhalt zählt heute schon zu den Vorreitern beim Wasserstoff
Sachsen-Anhalt ist bereits heute ein Vorreiter bei der Nutzung von Wasserstoff in der Industrie. Im Mitteldeutschen Chemiedreieck liegt der Wasserstoffverbrauch aktuell bei rund 10 Terrawattstunden pro Jahr. Der Linde-Konzern betreibt in Leuna nicht nur einen 24‑Megawatt‑Elektrolyseur für grünen Wasserstoff, sondern ist über sein rund 125 Kilometer langes Wasserstoff-Pipelinenetz seit Jahren auch Rückgrat der Versorgung der mitteldeutschen Chemieindustrie.
In diesem Jahr soll noch das Reallabor Energiepark Bad Lauchstädt in Betrieb gehen; ein Pilotprojekt, das die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung über den Transport bis zur Nutzung grünen Wasserstoffs im industriellen Maßstab erprobt. Langfristig könnte die Wasserstoffwirtschaft dem Land erheblichen ökonomischen Schub verleihen. Eine vom Energieministerium in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2045 rund 27.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und eine jährliche Wertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro generiert werden könnten.

