Krankenhäuser brauchen große Mengen Wasser – pro Tag und Belegbett bis zu 600 Liter. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbrauch liegt in Sachsen-Anhalt aktuell bei 103 Litern pro Person und Tag. Besonders hoch ist der Bedarf etwa für die sterile Aufbereitung von wiederverwendbarem OP-Besteck oder für die Dialyse von Menschen mit eingeschränkter Nierentätigkeit. Beim Klinikbetrieb gelangen zudem Arzneimittel und multiresistente Keime ins Abwasser. Die Universitätsmedizin Halle will hier gegensteuern – durch ein vom Wissenschaftsministerium finanziertes Forschungsprojekt soll das Wassermanagement am Universitätsklinikum Halle (Saale) deutlich nachhaltiger werden.
Die Förderung für 2026 über knapp 340.000 Euro überreichte Staatssekretär Dr. Steffen Eichner am heutigen Mittwoch an den Laborleiter des Instituts für Umwelttoxikologie der Universitätsmedizin Halle, Dr. Felix Glahn, der das Forschungsprojekt leitet. Insgesamt fließen bis Mitte 2028 rund 983.000 Euro.
Das Projekt läuft mehrstufig: Im ersten Schritt werden bereits seit Mitte 2025 die Wasserverbräuche und Abwasserströme am Klinikum analysiert. Im Fokus stehen dabei Bereiche mit besonders hohem Wasserbedarf wie die Dialyse oder die Sterilgut-Versorgung. Im zweiten Schritt sollen darauf aufbauend technische Lösungen entwickelt werden, um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren, vermehrt Regen- und Grauwasser zu nutzen sowie aus dem Abwasser Wärme zu gewinnen und Arzneimittelrückstände wie auch Keime zu entfernen. Die im Zuge des Projekts erarbeiteten Konzepte sollen auch auf andere Einrichtungen des Gesundheitswesens übertragbar sein.
Eichner betonte: „Die möglichst nachhaltige Nutzung von Energie und Wasser ist gerade für das Gesundheitswesen eine enorme Herausforderung, aber auch eine große Chance. Denn wer den Einsatz von Ressourcen konsequent reduziert, schont nicht nur das Klima, sondern spart auch Kosten. Ich freue mich, dass Universität und Uniklinikum Halle hier vorangehen – und dass wir sie bei diesem Zukunftsprojekt kräftig unterstützen können. Ich bin zuversichtlich, dass künftig auch andere Krankenhäuser von den Konzepten profitieren, die im Rahmen des Modellprojekts entstehen werden.“
Projektleiter Dr. Felix Glahn erklärt: „Das Vorhaben verbindet neue Ansätze, die direkt im Krankenhausalltag getestet werden sollen. Ergebnisse aus anderen Krankenhäusern zeigen, dass sich der Trinkwasserverbrauch durch die Nutzung von Regen- und Grauwasser nahezu halbieren lässt. Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts sind moderne Verfahren zur Abwasserreinigung, um Rückstände von Arzneistoffen und Krankheitserregern möglichst effektiv und wirtschaftlich aus dem Abwasser zu entfernen – und zwar genau dort, wo sie auftreten. Insbesondere zielen wir darauf ab, den Eintrag von Antibiotika zu überwachen und technisch zu reduzieren, da er die Bildung resistenter Keime begünstigen kann.“
Dr. Matthias Janda, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Halle (Saale), ergänzte: „Höchste Qualität in der Patientenversorgung erfordert einen enormen Ressourceneinsatz – Wasser und Wärme sind dabei ein oft unterschätzter Faktor. Dieses Projekt gibt uns die Möglichkeit, unseren Verbrauch systematisch zu analysieren und gezielt zu reduzieren, ohne dabei Abstriche bei Hygiene und Patientensicherheit zu machen.“
Am Projekt unter Federführung der Universitätsmedizin Halle und umfassender Beteiligung der Hochschule Magdeburg-Stendal arbeiten neben dem Uniklinikum Halle (Saale) weitere Partner mit – die Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien (GMBU), das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft.
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