Das an der Landesgrenze zu Brandenburg befindliche Wehr Neuwerben im Landkreis Stendal ist essenziell für den Hochwasserschutz im nördlichen Sachsen-Anhalt. Im Normalzustand ist es geschlossen und verhindert ein Überströmen der Elbe in die Havelniederung. Bei kritischem Hochwasser kann das Wehr geöffnet werden, um Wasser kontrolliert in die Havelpolder zu leiten und dadurch die Überschwemmungsgefahr für Unterlieger an der Elbe zu verringern. Nach der Flut fließt das Wasser dann bei geschlossenem Wehr aus den Poldern über den Gnevsdorfer Vorfluter zurück in die Elbe.
Das zwischen 1949 und 1954 erbaute Wehr ist in die Jahre gekommen: Brücke und Stahlbauteile brauchen eine Frischzellenkur, zusätzlich sorgen die Rekord-Wasserstände der Jahrhundertfluten 2002 und 2013 für Anpassungsbedarf bei Hydraulik und Bautechnik. Hinzu kommen verschärfte Sicherheitsstandards. Daher sanieren Umweltministerium und Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) die wichtige Anlage für rund 60 Millionen Euro aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Über den Baufortschritt informierte sich Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann heute bei seiner Hochwasserschutz-Tour „Sachsen-Anhalt wasserfest“ vor Ort. Bislang wurden 51 Millionen Euro investiert.
Willingmann sagte: „Das Wehr Neuwerben ist ein zentrales Element für den Hochwasserschutz an der Elbe. Die Anlage muss in Top-Zustand sein, damit bei kommenden Extrem-Hochwassern die Havelpolder geflutet werden können. Für die Menschen in der Region und weiter elbabwärts ist es deshalb eine wichtige Nachricht, dass die Sanierung des Wehrs gut voranschreitet.“
Aufgrund der überregionalen Bedeutung des Wehrs Neuwerben als Teil der Wehrgruppe Quitzöbel ist das Bauprojekt Teil des Nationalen Hochwasserschutzprogramms (NHWSP). Die Sanierung umfasst den bereits abgeschlossenen Ersatzneubau der Wehrbrücke sowie derzeit laufende Arbeiten wie die Verstärkung von Wehrsohlen und Pfeiler, den Schutz gegen Erosion und die Anpassung an neue hydraulische Anforderungen. Hinzu kommt die Herstellung neuer Wehrverschlüsse und Revisionsverschlüsse, die bereits weit fortgeschritten ist; aktuell werden die Antriebe der Wehrverschlüsse sukzessive überarbeitet. Bereits erneuert wurde die elektronische Steuerungstechnik; die Endprogrammierung erfolgt dann nach Abschluss der mechanischen Arbeiten.
Durch die steuerbare Trennung von Elbe und Havelniederung stärkt das Wehr Neuwerben nicht nur den Hochwasserschutz, sondern kann in Niedrigwasserphasen auch dazu beitragen, den Wasserstand der Elbe anzuheben, was insbesondere für die Schifffahrt von Bedeutung ist. Finanziert wird die Sanierung aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK), dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und der Aufbauhilfe von Bund und Ländern nach dem Hochwasser 2013 (AH 2013).
Seit 2002 wurden im Landkreis Stendal insgesamt rund 385 Millionen Euro in die Verbesserung des Hochwasserschutzes investiert.

