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Hochwasserschutz und Klimaanpassung

Willingmann und Schneider informieren sich über Deichsanierung und Baumpflanzungen im Magdeburger Herrenkrug

Hochwasserschutz und Klimaanpassung

Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Bundesumweltminister Carsten Schneider haben sich am heutigen Montag im Magdeburger Herrenkrug über Investitionen in den Hochwasserschutz und die damit verbundenen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen informiert. Im Mittelpunkt standen die Sanierung des Elbdeichs sowie die Wiederherstellung und Weiterentwicklung der historischen Parkanlage durch umfangreiche Ersatz- und Ausgleichspflanzungen.

„Im Magdeburger Herrenkrug zeigt sich, wie vielschichtig Klimaanpassung ist. Wir müssen mit Blick auf stärkere Hitzewellen und Trockenheit Wasser in der Landschaft halten, wo es möglich ist. Zugleich geht es darum, Siedlungen und wichtige Infrastruktur wirksam vor Hochwasser zu schützen“, erklärte Willingmann. „Hochwasserschutz, Klimaanpassung und Naturschutz müssen dabei keine Gegensätze sein. Mit der Sanierung der Deiche schaffen wir mehr Sicherheit für Magdeburg. Mit den Ausgleichspflanzungen tragen wir zugleich dazu bei, den wertvollen historischen Park nach den erheblichen Schäden der vergangenen Jahre wiederherzustellen.“

Carsten Schneider unterstrich: „Dieser Sommer ist ein Weckruf: Wetterextreme und Schwankungen im Wasserhaushalt spielen in Zukunft eine immer größere Rolle: Trockenheit und Niedrigwasser ebenso wie Starkregen und Hochwasser. Wir müssen deshalb alles dafür tun, dass Wasser besser in der Fläche aufgenommen und gehalten werden kann. Wir müssen für naturnahe Wasserspeicher in der Landschaft sorgen. Das ist die beste Vorsorge, um Wetterextreme von vorneherein abzupuffern. Auch angesichts der erschreckend niedrigen Wasserstände an der Elbe dürfen wir drohende Flutwellen nicht vergessen und nicht nachlassen in der Stärkung des Hochwasserschutzes. Damit schützen wir die Menschen, die hier leben. Hier im Magdeburger Herrenkrug sehen wir, dass ein sanierter Deich Hand in Hand geht mit der Stärkung der natürlichen Infrastruktur.“

Zwischen 2016 und 2020 wurden im Herrenkrug in fünf aufeinanderfolgenden Bauabschnitten insgesamt rund 3,4 Kilometer Deich saniert. Die Deichanlagen wurden dabei an das aktuelle Bemessungshochwasser angepasst und teilweise mit Deichverteidigungs- beziehungsweise Deichkronenwegen ausgestattet.

Die Hochwasserschutzmaßnahmen waren mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) ist deshalb zu entsprechenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verpflichtet gewesen. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Magdeburg wurde entschieden, diese Maßnahmen innerhalb der historischen Parkanlage Herrenkrug umzusetzen.

Zwei Ziele konnten so verbunden werden: Zum einen erfüllt der LHW seine umwelt- und naturschutzrechtlichen Verpflichtungen. Zum anderen leisten die Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt und zur gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellung des Herrenkrugparks. Die rund 65 Hektar große historische Landschaftsgartenanlage aus dem frühen 19. Jahrhundert steht als Gesamtensemble unter Denkmalschutz. Der Park war in den vergangenen Jahren erheblich beeinträchtigt worden – unter anderem durch Hochwasserereignisse, Sturmschäden, langanhaltende Trockenperioden und den Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer.

Mehr als 6.000 Sträucher und 226 Bäume

Auf einer Gesamtfläche von rund 4.500 Quadratmetern entstehen neue Strauchflächen, die sich auf zahlreiche kleinere Vegetationsflächen innerhalb des Parks verteilen. Insgesamt werden rund 6.200 Strauchpflanzen sowie 226 Bäume gesetzt. Bei den Bäumen handelt es sich um 111 Parkbäume und 115 Bäume für die Wiederherstellung von Alleen.

Die Gesamtkosten für Deichsanierung, Planung sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Herrenkrug belaufen sich auf rund 11,8 Millionen Euro. Allein für die nun umgesetzten Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen werden rund 600.000 Euro investiert. Die Maßnahmen im Herrenkrug sind Teil der langfristigen Investitionen des Umweltministeriums in den Hochwasserschutz der Landeshauptstadt. Seit 2002 wurden in Magdeburg insgesamt rund 57,3 Millionen Euro zur Verbesserung des Hochwasserschutzes investiert.

Sieben Hochwasserschutzmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 53,7 Millionen Euro konnten bereits fertiggestellt werden. Darüber hinaus befinden sich fünf weitere Hochwasserschutzmaßnahmen mit einem voraussichtlichen Investitionsvolumen von rund 24 Millionen Euro in Planung.

Wasserwirtschaft muss auf Hochwasser und Dürre reagieren

Wie eng Hochwasser- und Niedrigwasserschutz inzwischen zusammengehören, zeigt die aktuelle Situation an der Elbe in Magdeburg. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 kam es 2018 und 2019 zu extremen Niedrigwasserperioden. 2026 hat die Elbe sogar ein neues Rekordtief am Pegel Magdeburg-Strombrücke erreicht: Am 18. August wurde mit 34 Zentimetern über Pegelnullpunkt ein vorläufig neuer niedrigster Wasserstand registriert – elf Zentimeter unter dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2019. Ursachen sind unter anderem die geringen Schneerücklagen im Winter 2025/26, das besonders trockene Frühjahr im tschechischen Einzugsgebiet von Elbe und Moldau sowie unterdurchschnittliche Niederschläge und erhöhte Verdunstung im weiteren Jahresverlauf.

„Die aktuellen Niedrigwasserstände führen uns eindringlich vor Augen, dass Wasserpolitik heute weiter gedacht werden muss. Wir dürfen nicht nur auf das nächste Hochwasser schauen, sondern müssen den gesamten Wasserhaushalt im Blick behalten“, betont Willingmann. „Wir brauchen leistungsfähige Deiche, aber ebenso mehr Wasserrückhalt in der Fläche, stabile Auen und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser.“