Fokus: Ausbau Erneuerbare & Netze, Umbau von Industrie & Wärme
Ministerium veröffentlicht Papier zum Energiesystem in Sachsen-Anhalt
Wie könnte Sachsen-Anhalts Energiesystem Mitte des Jahrhunderts aussehen? Wodurch lassen sich Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit stärken? Und welche Stellschrauben sind für den Weg hin zur Klimaneutralität zentral? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des jetzt vom Energieministerium veröffentlichten Papiers
Ist-Zustand
Erneuerbare Energien sind für Sachsen-Anhalt schon heute zentral: Etwa 26.000 Menschen arbeiten in der Branche; zudem decken Wind, Photovoltaik und Bioenergie mit rund 30 Terawattstunden (TWh) aktuell mehr als 25 Prozent des jährlichen Primärenergieverbrauchs im Land (115 TWh). Zum Vergleich: Heimische Braunkohle liefert aktuell ca. 15 TWh und muss bis spätestens Ende 2034 aufgrund des Kohleausstiegs ersetzt werden. Bei der Bruttostromerzeugung beträgt der Anteil der Erneuerbaren derzeit etwa 63 Prozent. Zudem sorgen die zuletzt stark wachsenden Batteriespeicher-Kapazitäten dafür, dass künftig mehr Strom aus Wind und Sonne genutzt werden kann. Dagegen gibt es in den Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie weiterhin eine starke Abhängigkeit von klimaschädlichen fossilen Energieträgern, die wie Erdgas oder Mineralöl zum großen Teil importiert werden müssen.
Entwicklung bis 2045
Für ein versorgungssicheres, bezahlbares und klimaneutrales Energiesystem geht die Analyse je nach Szenario davon aus, dass sich die installierte Windleistung in Sachsen-Anhalt (aktuell 5,7 Gigawatt) bis 2045 etwa verdoppelt und die PV-Leistung (aktuell 6,3 GW) mindestens verdreifacht; dies soll nah an den Verbrauchern und möglichst auf bereits genutzten Flächen erfolgen. Grund für den notwendigen Ausbau ist der steigende Strombedarf, v.a. durch mehr E-Mobilität und Wärmepumpen, die zunehmende Elektrifizierung der Industrie sowie den Zubau von Elektrolyseuren zur Produktion von grünem Wasserstoff und (KI)-Rechenzentren.
Das Papier macht deutlich, dass aufgrund des wachsenden Strombedarfs ein weiterer gezielter Ausbau von Speicherkapazitäten und Stromnetzen nötig ist. Im Mittelpunkt stehen dabei v.a. die Verteilnetze, die erneuerbaren Strom aufnehmen sowie von großen Strom-Autobahnen zu Endverbrauchern transportieren. Der Ausbau soll ausreichende Netzanschlusskapazitäten für Industrie, erneuerbare Energien, Wärmepumpen, Elektrolyseure, E-Mobilität und Großspeicher schaffen. Wichtiger wird auch die Flexibilisierung des Stromverbrauchs durch Digitalisierung und Smart Meter. Zur Absicherung des Stromsystems im Zuge des Ausstiegs aus der Braunkohle werden zudem neue, zukünftig wasserstofffähige Gaskraftwerke benötigt. Ebenfalls im Fokus: Die Elektrifizierung und Dekarbonisierung von Fernwärmenetzen und Industrie sowie die Nutzung von Abwärme sowie Umweltwärme in Verbindung mit Geo- oder Gewässerthermie.
Das Papier „Energiesystem Sachsen-Anhalt – Status quo, Szenarien und Perspektiven“ (ESE) ist auf den Webseiten des Energieministeriums verfügbar:
