Sachsen-Anhalts Energieminister spricht heute im Bundesrat
Dämpfung der Netzentgelte: Willingmann fordert gleichbleibend hohe Bundeszuschüsse ab 2027
Über so genannte Netzentgelte finanzieren alle Stromkunden Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Stromnetze in Deutschland. Die Kosten dafür sind aufgrund umfangreicher Investitionen der Netzbetreiber im Zuge der Energiewende seit Jahren sehr hoch. Für private Haushalte machen die Netzentgelte derzeit rund ein Viertel des Strompreises aus. 2026 würden sie allein für die großen Stromautobahnen (Übertragungsnetz) bei 6,65 Cent je Kilowattstunde liegen. Diese Kosten werden anteilig an die unteren Netzebenen bis hin zu den Privathaushalten durchgereicht.
Um die Netzentgelte zu senken und Stromkunden zu entlasten, zahlt der Bund 2026 insgesamt 6,5 Milliarden Euro. Auch für die kommenden Jahre wird es einen Zuschuss geben – er soll mit rund 5,53 Milliarden aber deutlich geringer ausfallen. Im Bundesrat hat Sachsen-Anhalts Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann daher heute eine Aufstockung auf das bisherige Niveau gefordert.
„Es ist ein positives Signal, dass aus der Bundesregierung in dieser Woche angekündigt wurde, die Stromsteuer für alle Verbraucher um zwei Cent je Kilowattstunde zu senken. Damit würde zwar spät, aber immerhin ein Versprechen aus dem Bundestagswahlkampf und eine Verabredung der Koalition im Bund umgesetzt. Es wäre jedoch ein Widerspruch, wenn zugleich der Zuschuss zu den Netzentgelten zurückgefahren wird. Viele private Haushalte und Unternehmen ächzen derzeit unter hohen Energiepreisen. Deshalb sollte der Bund ein weiteres positives Zeichen setzen und die Entlastung bei den Netzentgelten ab 2027 auf dem Niveau des laufenden Jahres verstetigen. Denn bezahlbare Energie ist in Deutschland die Basis für wirtschaftlichen Erfolg, gute Arbeitsplätze und gesellschaftliche Akzeptanz.“
Die Netzentgelte für die Übertragungsnetze würden 2026 bei 6,65 Cent je Kilowattstunde liegen; durch den Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro werden sie um fast vier auf 2,68 Cent je Kilowattstunde gesenkt. Für 2027 würden die Übertragungsnetzentgelte 6,52 Cent pro Kilowattstunde betragen – ein abgesenkter Zuschuss von knapp 5,53 Milliarden Euro würde sie um etwa drei auf 3,54 Cent je Kilowattstunde verringern. Unter dem Strich bliebe im kommenden Jahr also ein Anstieg um knapp einen Cent je Kilowattstunde, der sich in unterschiedlicher Intensität auf alle Stromkunden in Industrie, Gewerbe und Privathaushalten auswirkt.
Der Bund will den Zuschuss zu den Netzentgelten für die Jahre 2027 bis 2029 durch eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes fixieren. Dazu fand am 8. Oktober 2026 die erste Lesung im Bundestag statt; dort wurde der Gesetzentwurf in die Ausschüsse überwiesen. Heute hat sich der Bundesrat mit der geplanten Gesetzänderung befasst.
