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Wissenschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch übergibt Fördermittel für das Forschungsprojekt EMTAD an der Universitätsmedizin Magdeburg.

1,73 Millionen Euro für neue Therapieansätze gegen Alzheimer

Wissenschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch übergibt Fördermittel für das Forschungsprojekt EMTAD an der Universitätsmedizin Magdeburg.

Können bereits gegen andere Erkrankungen zugelassene Medikamente auch bei Alzheimer helfen? Dieser Frage geht ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Magdeburg im Projekt EMTAD nach. Im Mittelpunkt stehen die Wirkstoffe Fingolimod und Ozanimod, die bislang zur Behandlung von Multipler Sklerose eingesetzt werden. Für das Forschungsvorhaben hat Wissenschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch am 27. Oktober 2026 einen Fördermittelbescheid über 1,73 Millionen Euro übergeben. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union und werden im Programm „Sachsen-Anhalt WISSENSCHAFT STEP“ bereitgestellt.

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft lebten Ende 2025 rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Demenzerkrankung. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und beeinträchtigt unter anderem Gedächtnis, Orientierung und Selbstständigkeit. Neue Behandlungsmöglichkeiten könnten dazu beitragen, Fähigkeiten länger zu erhalten und Betroffene sowie ihre Angehörigen zu entlasten.

Bereits zugelassene Medikamente im Fokus

In Untersuchungen an Mäusen mit Alzheimer-typischen Krankheitsveränderungen konnten Fingolimod und Ozanimod Veränderungen an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, den sogenannten Synapsen, sowie Beeinträchtigungen des Gedächtnisses zurückdrängen – auch in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium. Im Projekt EMTAD soll nun untersucht werden, ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen und wie gut die Wirkstoffe von Menschen mit Alzheimer vertragen werden.

Dazu sind zunächst klinische Untersuchungen vorgesehen, bei denen die Verträglichkeit und mögliche Wirksamkeit der Wirkstoffe bei einzelnen Patientinnen und Patienten geprüft werden. Parallel bereitet das Forschungsteam weiterführende multizentrische klinische Wirksamkeitsstudien der Phase II vor, an denen mehrere medizinische Zentren beteiligt sein sollen. Diese Studien sollen klären, ob die Wirkstoffe bei größeren Patientengruppen einen nachweisbaren Nutzen haben.

Da beide Wirkstoffe bereits für eine andere Erkrankung zugelassen sind, könnten sie bei positiven Ergebnissen möglicherweise schneller für eine weitere Anwendung angepasst werden als völlig neue Medikamente.

„Mithilfe von EU-Fördermitteln unterstützen wir ein wegweisendes Forschungsvorhaben, um neue Wege für die Bekämpfung einer echten Volkskrankheit zu untersuchen. Alzheimer betrifft schon jetzt Millionen Menschen sowie deren Familien – und durch die Alterung unserer Gesellschaft werden es noch mehr. Deshalb ist es wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse weiterzuentwickeln und zu prüfen, ob daraus neue Behandlungsmöglichkeiten entstehen können“, sagt Staatssekretär Thomas Wünsch. „Zugleich stärken wir damit die Forschung an der Universitätsmedizin Magdeburg und so den Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt.“

Wirkstoffe an menschlichen Nervenzellen testen

Neben den klinischen Untersuchungen zu Fingolimod und Ozanimod soll eine neue Zellkulturplattform entstehen. Dafür werden aus Stammzellen von Alzheimer-Patientinnen und -Patienten Nervenzellen entwickelt und zu künstlichen Nervenzellnetzwerken zusammengeführt. An diesen Modellen können Forschende testen, ob weitere bereits zugelassene entzündungshemmende Medikamente Alzheimer-typische Veränderungen beeinflussen.

„Unser Ziel ist es, das Potenzial bereits verfügbarer Wirkstoffe systematisch zu untersuchen und die Voraussetzungen für weitere klinische Studien zu schaffen“, erklärt Prof. Dr. Volkmar Leßmann, Forschungsleiter des Projekts und Leiter des Instituts für Physiologie der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. „Die Zellkulturplattform eröffnet uns zusätzlich die Möglichkeit, weitere Wirkstoffkandidaten direkt an menschlichen Nervenzellen zu prüfen.“

„Die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die medizinische Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil universitärer Forschung. EMTAD verbindet die Untersuchung möglicher neuer Therapieansätze mit dem Aufbau einer Plattform für weitere Wirkstoffe. Die Förderung unterstützt damit die Zusammenarbeit über Fach- und Einrichtungsgrenzen hinweg und stärkt den Forschungsstandort Magdeburg“, sagt Prof. Dr. Daniela Dieterich, Dekanin der Medizinischen Fakultät.

Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Magdeburg und selbst Neurologe, unterstützt den Forschungsansatz, weil er neue Perspektiven für Menschen mit Alzheimer eröffnen könnte: „Als Universitätsmedizin ist es unsere Aufgabe, Forschungsergebnisse in bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten zu übersetzen. Wenn es gelingt, bereits zugelassene Medikamente auch für die Behandlung von Alzheimer nutzbar zu machen, könnte das dazu beitragen, Gedächtnis und Selbstständigkeit der Betroffenen länger zu erhalten. Diesen Ansatz unterstützen wir ausdrücklich. Entscheidend ist nun, die Verträglichkeit und den möglichen Nutzen für die Betroffenen sorgfältig zu untersuchen.“

Ob Fingolimod, Ozanimod oder weitere untersuchte Wirkstoffe künftig zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden können, ist noch offen. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Ansätze sich für weitere klinische Untersuchungen eignen.

Kooperation am Forschungsstandort Magdeburg

Das Forschungsprojekt EMTAD steht für „Etablierung entzündungshemmender Medikamente für die Therapie der Alzheimer-Demenz“ und hat eine Laufzeit von knapp drei Jahren. Wissenschaftliche Kooperationspartner sind die Universitätsklinik für Neurologie, die Molekulare und Experimentelle Chirurgie der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, die Universitätsklinik für Nuklearmedizin sowie das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Magdeburg (DZNE). Beteiligt ist außerdem der niedergelassene Neurologe Priv.-Doz. Dr. Marc Pawlitzki aus Magdeburg.

Mit dem Förderprogramm „Sachsen-Anhalt WISSENSCHAFT STEP“ stellt das Wissenschaftsministerium EFRE-Mittel in Höhe von insgesamt 85 Millionen Euro für Forschungs- und Innovationsprojekte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen bereit. Das Interesse war außerordentlich groß: Mehr als 200 Projektanträge wurden eingereicht, 73 Vorhaben konnten bewilligt werden, darunter auch das Forschungsprojekt EMTAD der Universitätsmedizin Magdeburg.

Quelle der Pressemitteilung: Universitätsmedizin Magdeburg