FAQ Gasversorgung in Sachsen-Anhalt
Die Gasversorgung ist für viele Lebensbereiche von Bedeutung: vom Heizen zu Hause bis zur Energieversorgung in Unternehmen. Aktuelle Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten – insbesondere geopolitische Konflikte – haben jedoch Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit. Das FAQ bietet Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zur Gasversorgung in Sachsen-Anhalt.
Derzeit erhält Deutschland nahezu ausschließlich Gas, das nicht durch die Straße von Hormus transportiert werden muss. Eine direkte Abhängigkeit besteht daher nicht. Der LNG-Markt ist jedoch global. Wenn aus den arabischen Ländern aktuell weniger LNG vor allem nach Asien geliefert wird, verknappt sich das weltweite Angebot. Das wirkt sich auf die Preise aus. Gleichzeitig kaufen Händler Gas überwiegend langfristig ein. Die aktuellen Preissteigerungen betreffen daher vor allem kurzfristige Beschaffungen.
Nach aktuellem Stand ist Deutschland ausreichend mit Gas versorgt. Es besteht keine Abhängigkeit von Lieferungen aus der Golfregion.
Der derzeit sehr starke Preisanstieg steht im Zusammenhang mit dem Krieg. Zu erwarten ist, dass sich die Preise am weiteren Verlauf orientieren, beispielsweise daran, ob die Straße von Hormus geschlossen bleibt oder wieder für den Frachtverkehr geöffnet wird. Preisdämpfend kann zudem der Bau neuer Verflüssigungsanlagen und Terminals, beispielsweise in Texas, wirken. Dadurch erweitern sich die Kapazitäten im LNG-Markt.
Die Sperrung der Straße von Hormus ist eine zentrale Ursache für den starken Preisanstieg. Wenn sie wieder dauerhaft und vollständig befahrbar ist, dürften die Preise für Diesel und Benzin sinken. Wie stark dieser Rückgang ausfällt, hängt vom weiteren Kriegsverlauf im Iran ab. Auch ist mit einem verzögerten Preisrückgang für Verbraucher zu rechnen, da weiterhin Infrastrukturanlagen beschädigt sind und zudem sich die in der Vergangenheit hohen Preise weiterhin auswirken.
Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist angesichts ausreichend am Markt verfügbarer Gasmengen und diversifizierter Importmöglichkeiten aktuell gewährleistet. Zwar sind die deutschen Gasspeicher aktuell vergleichsweise gering befüllt (Mitte September 2026 zu rund 56 Prozent). Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung in den kommenden Wintermonaten nach aktuellem Erkenntnisstand aber weiterhin als gering ein. Für die Versorgungssicherheit entscheidend ist ein Zusammenspiel von Pipeline-Importen, Gasspeichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage.
Grund für die vergleichsweise geringen Füllstände der Gasspeicher sind vor allem fehlende Preisanreize durch die derzeit hohen Gaspreise. Gashändler, die dafür verantwortlich sind, ausreichend Gas für ihre Kunden zu beschaffen und einzuspeichern, warten aufgrund der aktuell hohen Preise mit der Einspeicherung teilweise noch ab. Es gelten jedoch weiterhin gesetzliche Füllstandsvorgaben, zum Beispiel von rund 70 Prozent bis zum 1. November. Daneben gibt es im Ausnahmefall auch die befristete Möglichkeit einer staatlich angeordneten Befüllung, was allerdings starke preistreibende Auswirkungen hätte. Von diesem Instrument hat die Bundesregierung vor diesem Hintergrund für den kommenden Winter bisher keinen Gebrauch gemacht.
Die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur beobachten die Lage sehr genau und setzen bisher weiterhin vor allem auf ausreichende Anreize für eine marktliche Befüllung der Speicher. Für die Zukunft wird politisch über die Einführung einer strategischen Gasreserve diskutiert, die aber in diesem Winter noch nicht eingerichtet ist.
Der höchste Erdgasverbrauch der vergangenen Jahre lag bei 1.001 TWh im Jahr 2021. Aufgrund des Kriegs Russlands gegen die Ukraine und der Veränderungen im Energiemarkt ist der Verbrauch gesunken und lag zuletzt bei
Mit 38,2 Prozent entfällt der größte Anteil des Gasverbrauchs auf den Heizwärmebedarf privater Haushalte, einschließlich Fernwärme, gefolgt von der Industrie mit 35,3 Prozent. An dritter Stelle stehen die Stromversorgung (13,6 Prozent) sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (13,0 Prozent). Zu den größten einzelnen Verbrauchern zählen Unternehmen der chemischen Industrie wie BASF oder SKW Piesteritz in Sachsen-Anhalt.
Die inländische Förderung deckte im Jahr 2025 rund 2,9 Prozent des Verbrauchs. Zusätzlich wurden etwa 1,1 Prozent Biogas ins Erdgasnetz eingespeist. Derzeit stammen die Importe zu 42,7 Prozent aus Norwegen, zu 23,8 Prozent aus den Niederlanden, zu 21,6 Prozent aus Belgien und zu 11,9 Prozent aus deutschen LNG-Terminals. Ein Teil der importierten Mengen – etwa ein Viertel – wird in andere Länder weitergeleitet (Durchleitung).
LNG trägt dazu bei, die Importwege zu diversifizieren. Neben Pipelines können so auch Lieferungen aus Ländern erfolgen, die nicht direkt angebunden sind, etwa aus den USA oder aus Staaten der Golfregion. Dabei spielen nicht nur deutsche LNG-Terminals eine Rolle, sondern auch Anlagen in Nachbarländern wie Belgien, die in das deutsche Gasnetz einspeisen.
Gasspeicher sind ein zentraler Bestandteil der Gasversorgung. Sie gleichen saisonale Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage aus. Im Sommer wird mehr Gas geliefert, als verbraucht wird. Die überschüssigen Mengen werden gespeichert. Im Winter ist der Verbrauch höher als die laufenden Lieferungen, sodass zusätzlich Gas aus den Speichern entnommen wird. Es ist ein normaler Vorgang, dass sich die Speicher zum Ende des Winters leeren.
In Deutschland sind die Aufgaben der Netzbetreiber, Speicherbetreiber und Gashändler voneinander getrennt. Netzbetreiber transportieren das Gas über Leitungen. Speicherbetreiber betreiben die entsprechenden Anlagen und die notwendige Technik. Gashändler planen den erwarteten Bedarf, berücksichtigen Lieferwege und Preise und leiten daraus ab, wie viel Gas gespeichert werden muss. Entsprechend buchen sie Speicherkapazitäten.
Die Finanzierung erfolgt unter anderem über den sogenannten „Sommer-Winter-Spread“, also die Preisdifferenz zwischen den niedrigeren Sommer- und den höheren Winterpreisen. In den vergangenen Jahren war dieser Unterschied gering. Das wirkt sich wiederum auf die Nutzung der Speicher aus. Derzeit sind die Preise infolge des Iran-Kriegs jedoch sehr hoch, so dass eine Einspeicherung wirtschaftlich oft nicht attraktiv ist. Die Folge: Die Speicher sind deutlich geringer gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit.
Die gesamte Speicherkapazität in Deutschland beträgt 247,49 TWh. In Sachsen-Anhalt befinden sich Gasspeicher in Bernburg, Bad Lauchstädt und Peißen (gemeinsam vermarktet) mit einer Kapazität von 28,81 TWh, in Staßfurt mit 6,39 TWh und in Peckensen mit 3,88 TWh. Damit entfallen insgesamt rund 16 Prozent der deutschen Speicherkapazität auf Sachsen-Anhalt.
Wenn die Speicher leer wären, müsste der Verbrauch an die verfügbaren Importe angepasst werden. Es könnte dann nur so viel Gas genutzt werden, wie importiert werden kann. Im Winter könnte dies im Extremfall zu Versorgungsengpässen führen. Für diesen Fall wurde der Notfallplan Gas im Jahr 2023 aktualisiert. Er regelt unter anderem die Verteilung des Gases. Dabei werden geschützte Kundengruppen wie Privathaushalte und soziale Einrichtungen bevorzugt versorgt.
Durch LNG-Terminals stehen zusätzliche Importmöglichkeiten zur Verfügung, die Gas flexibler ins Netz einspeisen können. Das erhöht die Versorgungssicherheit.
Eine verlässliche Preisvorhersage ist nur eingeschränkt möglich. Das zeigen die schwer vorhersehbaren Auswirkungen vergangener Krisen wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Iran-Krieg. Nach einem deutlichen Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 sind die Gaspreise zunächst wieder gesunken. Aktuell sind im Hinblick auf den Iran-Krieg aber wieder stark gestiegene Preise zu verzeichnen. Außerdem gibt es Hinweise auf auch mittelfristig steigende Kosten. Dazu zählen unter anderem höhere Netzentgelte bei sinkenden Transportmengen sowie ein zunehmender CO₂-Preis.
Der Gaspreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen:
- Energiebeschaffung (Erzeugung und Einkauf), Vertrieb und Gewinnmarge
- Netzentgelt, also die Gebühr für die Nutzung der Gasnetze
- Messentgelt für Messung und Messstellenbetrieb, insbesondere für Zähler und Ablesung
- Steuern: Umsatzsteuer und Energiesteuer
- Abgaben und Umlagen: Konzessionsabgabe, CO₂-Abgabe, Marktraum-Umstellungsumlage sowie weitere Umlagen und Entgelte (zum Beispiel für Biogas, Gasspeicher, Bilanzierung und Konvertierung)
