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Hugo-Junkers-Preis 2026: Willingmann zeichnet Innovationen „made in Sachsen-Anhalt“ aus

Minister würdigt Sieger-Teams // 80.000 Euro Preisgeld in vier Kategorien

Exzellente Forschung mit Mehrwert: Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann hat heute die Preisträgerinnen und Preisträger des „Hugo‑Junkers‑Preises 2026“ ausgezeichnet. Die siegreichen Projekte in Forschung und Innovation verbinden wissenschaftliche Spitzenleistungen mit klarem Anwendungsbezug – und eröffnen dadurch neue Perspektiven für Gesundheit, Wirtschaft und Klimaschutz. Beim Event im Magdeburger Jahrtausendturm durften sich die klugen Köpfe aus Wissenschaft und Wirtschaft auch über Preisgelder in Höhe von insgesamt 80.000 Euro freuen.

Der höchstdotierte Innovationspreis des Landes wurde in vier Kategorien vergeben – von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis hin zu innovativen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen sowie einem Sonderpreis für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel. Pro Kategorie wurden je drei Preise verliehen; die begehrten 1. Plätze gingen an:

  • die Universität Halle in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie Halle (Kategorie „Grundlagenforschung“)
  • den Medizintechnik-Forschungscampus STIMULATE der Universität Magdeburg (Kategorie „Angewandte Forschung“)
  • die Laempe Mössner Sinto GmbH
    (Kategorie „Produkte, Dienstleistungen & Geschäftsmodelle“)
  • das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme (Sonderpreis „Projekte zur Anpassung an den Klimawandel“).

Willingmann betonte: „Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie aus exzellenter Forschung konkrete Lösungen entstehen, die unser Leben verbessern können. Gerade in herausfordernden Zeiten sind es solche Entwicklungen, die Mut machen und Perspektiven eröffnen. Sachsen‑Anhalt ist ein Land der Innovationen – an unseren Hochschulen sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen und ebenso in Unternehmen. Innovation braucht dabei das enge Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft, damit Ideen zügig in die Praxis kommen und echten gesellschaftlichen Nutzen entfalten können.“

Willingmann unterstrich in diesem Zusammenhang auch die große Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit: „Eine freie Wissenschaft gehört zu den zentralen Fundamenten unserer demokratischen Gesellschaft. Wer Einfluss auf Forschung nehmen und Wissenschaftler am Gängelband führen will, darf sich nicht wundern, wenn kluge Köpfe das Land verlassen und gesellschaftlicher Fortschritt erodiert. Daher arbeiten wir dafür, dass Sachsen-Anhalt weiterhin ein attraktiver, freier und weltoffener Wissenschaftsstandort bleibt. An den Hochschulen in Sachsen-Anhalt wird es auch weiterhin möglich sein, Forschungsfragen eigenständig zu wählen, Erkenntnisse offen zu formulieren – auch dann, wenn sie unbequem sind. Denn wir wollen auch künftig großartige Leistungen mit unserem Hugo-Junkers-Preis auszeichnen.“

Die heute ausgezeichneten Projekte stehen für die Leistungsfähigkeit des Innovationsstandorts Sachsen‑Anhalt und zeigen zudem, dass der Transfer von Forschung in die Praxis stärker in den Mittelpunkt rückt. Dies würdigte auch die unabhängige Jury unter Vorsitz des Prorektors für Forschung und Chancengleichheit an der Hochschule Harz, Prof. Dr. Frieder Stolzenburg. In diesem Jahr habe neben dem hohen Innovationsgrad der Bewerbungen vor allem die starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz der Forschungsprojekte überzeugt. Dies sei ein klarer Beleg dafür, dass in Sachsen-Anhalt Innovation nicht nur zu Zeiten von Hugo-Junkers groß geschrieben wurden, sondern dass auch heute viele kluge Köpfe erfolgreich in die Fußstapfen des Dessauer Flugzeug-Pioniers treten.

Die Bandbreite der siegreichen Projekte ist groß: Sie eröffnen einerseits neue diagnostische und therapeutische Ansätze in der Medizin, etwa um schwere Erkrankungen wie Alzheimer oder Krebs künftig deutlich früher zu erkennen und wirksamer zu behandeln. Andererseits zeigen auch hochmoderne Medizintechnik für MRT-Systeme der Zukunft, innovative industrielle Produktionsverfahren in der Gießereiindustrie oder neuartige Lösungen für effizientere Energiespeicher, dass mit Forschung „made in Sachsen-Anhalt“ zu rechnen ist.

Durch den „Hugo‑Junkers‑Preis für Forschung und Innovation aus Sachsen‑Anhalt“ würdigt das Land seit vielen Jahren herausragende Forschungs- und Entwicklungsleistungen und macht sichtbar, welchen Beitrag Innovationen aus Sachsen‑Anhalt zur Bewältigung zentraler Zukunftsaufgaben leisten können. Weitere Informationen: www.hugo-junkers-preis.de.

Fotos von der Preisverleihung finden Sie hier: https://lsaurl.de/FotosHJP26.

Für Updates und Blicke hinter die Kulissen des Wettbewerbs gibt es eine Fokusseite auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/showcase/hugo-junkers-preis-für-forschung-und-innovation.

HJP 2026 | Die Siegerprojekte in der Übersicht

Kategorie „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“

Platz 1 (10.000 Euro)

KI-unterstütztes Metaboliten-Fingerprinting zur Vorhersage der Wirkmechanismen neuer Anti-Krebs-Wirkstoffe

Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie, Halle (Saale) und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Informatik, AG Bioinformatik

Pflanzen, Pilze und Bakterien produzieren zahlreiche Naturstoffe, die den Zellstoffwechsel bis hin zum Zelltod beeinflussen und daher vielversprechende Kandidaten für neue Krebsmedikamente sind. Ihre pharmazeutische Entwicklung wird jedoch durch die aufwendige und kostenintensive Aufklärung der Wirkmechanismen erschwert. Zur frühzeitigen Bewertung kombinierten die Forschenden gerichtete Metabolomik – zur Erfassung charakteristischer Wirkstoff-Fingerabdrücke – mit trainierten Machine-Learning-Methoden. Dadurch lässt sich die Wirkungsweise neuer Antikrebswirkstoffe schnell und präzise vorhersagen.

Platz 2 (7.000 Euro)

beta-Synuclein im Blut zur Frühdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung und von Schlaganfällen

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Neurologie und
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V.

Neurologische Funktionsausfälle wie Gedächtnisstörungen und Lähmungen entstehen durch den Verlust synaptischer Verbindungen, etwa bei Alzheimer oder Schlaganfall. Frühzeitige Blutmarker für synaptische Schäden fehlen bislang. Das neu entwickelte Verfahren ermöglicht erstmals die Messung des synaptischen Proteins beta-Synuclein im Blut. Dessen Konzentration korreliert beim Schlaganfall mit dem Ausmaß des Schadens und steigt bei Alzheimer bereits in sehr frühen Krankheitsstadien, teils Jahre vor Symptombeginn. Der Marker erlaubt somit eine frühe Diagnostik und unterstützt die Entwicklung wirksamer Therapien im Frühstadium. Die Methode ist patentiert; eine Ausgründung befindet sich im Aufbau.

Platz 3 (3.000 Euro)

Entwicklung eines Moos-Photobioreaktors zur Saatgutbereitstellung auf wiedervernässten Moorflächen

Hochschule Anhalt – Fachbereich Angewandte Biowissenschaften und Prozesstechnik

Moore speichern große Mengen Kohlenstoff, setzen jedoch nach Entwässerung erhebliche CO₂‑Emissionen frei. Die Wiedervernässung kann die Emissionen deutlich reduzieren, erfordert jedoch die gezielte Ansiedlung von Torfmoosen, für welche bislang effiziente Verfahren zur großskaligen Bereitstellung fehlen. Das Projekt-Team entwickelte einen Photobioreaktor zur kontrollierten, kostengünstigen Anzucht und Ernte von Torfmoosen im technischen Maßstab. Das hochwertige Saatgut kann neben der Renaturierung von Mooren auch als nachhaltiger Torfersatz im Gartenbau dienen. Die Low-Cost-Technologie unterstützt zudem den Umstieg auf Paludi-Kultur, also die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorflächen.

Kategorie „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“

Platz 1 (10.000 Euro)

Scanatiq – kabellose Magnetresonanztomografie (MRT)-Spulen

Forschungscampus STIMULATE, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Scanatiq ist eine neuartige Spulentechnologie für die Magnetresonanztomografie (MRT), welche die medizinische Bildgebung effizienter und zugänglicher macht. Die Spule wird direkt am Körper platziert und ist entscheidend für die Signalaufnahme und Bildqualität. Scanatiq-Spulen sind kompakt, flexibel und im Vergleich zu bisherigen Spulen kabellos. Sie lassen sich so schnell positionieren, was Abläufe vereinfacht, beschleunigt und den Komfort für Patienten erhöht. Die Technologie basiert auf patentierten Resonatoren und liefert eine hohe Bildqualität bei reduzierter Komplexität. Sie ist mit bestehenden MRT-Systemen kompatibel und kommt ohne zusätzliche Hardware aus. Ziel ist es, Kosten zu senken und die Verfügbarkeit moderner Diagnostik zu verbessern.

Platz 2 (7.000 Euro)

Neue Krebstherapien durch zielgerichtete Inhibition RNA-bindender Proteine

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsmedizin Halle, Institut für Molekulare Medizin, Institut für Pharmazie

Bestimmte RNA‑bindende Proteine, insbesondere die Insulin-like Growth Factor 2 mRNA-Binding Proteins 1 (IGF2BP1), kommen vermehrt in Krebszellen vor und fördern die Entstehung sowie das Wachstum von Tumoren. Damit bieten sie einen vielversprechenden Ansatzpunkt für neue zielgerichtete Therapien. Auf Grundlage moderner Methoden, darunter KI‑gestützte Analysen von Proteinstrukturen, wurden erstmals gezielte Wirkstoffe gegen IGF2BP1 entwickelt und patentiert. Präklinische Studien in Tiermodellen und patientennahen Tumormodellen zeigen ein hohes therapeutisches Potenzial. Die Weiterentwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit einem internationalen Pharmaunternehmen.

Platz 3 (3.000 Euro)

Thermoplastic Sandwich Moulding Technology

Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS und ThermHex Waben GmbH

Die „Thermoplastic Sandwich Moulding Technologie“ ermöglicht erstmals die automatisierte Serienfertigung leichter und stabiler Sandwichbauteile aus thermoplastischen Materialien. Halbzeuge mit Wabenkern und verstärkten Deckschichten werden dabei in sehr kurzen Zykluszeiten geformt und weiterverarbeitet. Die Bauweise erlaubt Gewichtseinsparungen von bis zu 50 Prozent, senkt Material- und Energieeinsatz und ist vollständig recyclingfähig. Damit bietet die Technologie großes Potenzial für eine nachhaltigere Produktion, insbesondere im Fahrzeugbau.

Kategorie „Innovativste Produkte, Dienstleistungen & Geschäftsmodelle“

Platz 1 (10.000 Euro)

Innovative 3D-Druck-Technologie zur automatisierten Sandkernherstellung für die Gießereiindustrie

Laempe Mössner Sinto GmbH

Der L3D200 ist ein industrieller 3D‑Sanddrucker für die Gießereiindustrie, der die Herstellung von Formen und Kernen grundlegend neu organisiert. Er erzeugt Bauteile direkt aus digitalen Daten – werkzeugfrei, ohne Rüstzeiten und mit hoher Gestaltungsfreiheit. Durch schnelle, automatisierte Prozesse und integrierte Qualitätskontrollen ermöglicht das System eine präzise Serienfertigung im Minutentakt. Der L3D200 kombiniert additive Fertigung mit industrieller Skalierbarkeit und reduziert Aufwand, Kosten und Komplexität in der Produktion. Damit trägt die Technologie dazu bei, Gießereiprozesse effizienter, flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten.

Platz 2 (7.000 Euro)

Integrale Carbon-Kurzschnittfasern zur Bewehrung von Ultrahochleistungsbeton

newcycle GmbH

CBAR® ist eine speziell veredelte Carbon-Kurzschnittfaser für den Einsatz in Beton, die bestehende Bauwerke verstärkt und ihre Lebensdauer deutlich verlängert. Eingebettet in ultrahochfesten Beton verbessert das Material die mechanischen Eigenschaften erheblich, insbesondere die Biegezugfestigkeit. Durch eine optimierte Oberflächenstruktur kann ein hoher Faseranteil erreicht werden, wodurch neue Materialeigenschaften entstehen. CBAR® ermöglicht die nachhaltige Sanierung von Infrastruktur wie Brücken, Parkhäusern oder Industrieflächen – schneller, ressourcenschonender und ohne aufwendigen Neubau.

Platz 3 (3.000 Euro)

Röntgen-Kollimatorsystem für Krebsoperationen

RAYDIAX GmbH

Das Röntgen-Kollimatorsystem ist eine Medizintechnologie zur präzisen Steuerung von Röntgenstrahlen bei minimal-invasiven Eingriffen. Es fokussiert die Strahlung gezielt auf das relevante Operationsgebiet, statt den gesamten Körperbereich zu erfassen, und reduziert so die Strahlenbelastung deutlich. Kern des Systems ist das Zusammenspiel aus hochdynamischer Mechanik, schneller Blendensteuerung und intelligenter Software zur Bildrekonstruktion. Die Technologie erhöht die Sicherheit für Patienten und Patientinnen sowie Personal und ermöglicht effizientere Eingriffe sowie höhere Behandlungskapazitäten.


Sonderpreis „Innovativste Vorhaben und Projekte zur Anpassung an den Klimawandel“

Platz 1 (10.000 Euro)

CoSeCats – ein skalierbares, lastflexibles Katalysator-Reaktor-System für die Chemische Speicherung Erneuerbarer Energie

Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, Magdeburg

CoSeCats ist ein skalierbares Katalysator‑Reaktorsystem zur chemischen Speicherung erneuerbarer Energie. Es kommt in Power‑to‑X‑Anlagen zum Einsatz, die Strom aus Wind und Sonne in speicherbare chemische Energieträger umwandeln. Kern der Technologie ist ein Kern‑Schale‑Katalysator, der Stofftransport und Temperatur im Reaktor gezielt reguliert und Überhitzung verhindert. So können Anlagen auch bei schwankender Auslastung stabil und effizient betrieben werden. Digitale Modelle unterstützen die Prozesssteuerung und optimieren den Betrieb.

Platz 2 (7.000 Euro)

Energieeffiziente und CO2-arme Lohngranulation und -trocknung aus Sachsen-Anhalt

IPT Pergande GmbH

Die energieeffiziente und CO₂-arme Lohngranulation und -trocknung ist ein vernetztes Produktionskonzept für die chemische Prozessindustrie. Es koppelt Granulations- und Trocknungsprozesse mit einer intelligenten Nutzung von Abwärme, sodass Energie mehrfach verwendet wird. Durch die standortweite Verknüpfung von Wärmequellen und -senken sinken Energiebedarf und Emissionen deutlich. Gleichzeitig werden Prozesse stabiler und wirtschaftlicher. Die Technologie ermöglicht eine ressourcenschonende Herstellung chemischer Produkte und trägt zur Reduktion fossiler Energie sowie zur Verbesserung der Klimabilanz industrieller Produktion bei.

Platz 3 (3.000 Euro)

Regionale Produktion von Baustoffen aus Nutzhanf

Hanffaser Geiseltal eG

Die regionale Produktion von Baustoffen aus Nutzhanf ist ein nachhaltiges Konzept für die Bauwirtschaft. Dabei wird Hanfstroh aus der Region in einem Aufschlussverfahren zu technischen Fasern verarbeitet, die als Grundlage für biobasierte Baustoffe dienen.

Die Materialien kommen ohne schadstoffintensive Zusätze aus, benötigen weniger Energie in der Herstellung und sind recycelbar. Gleichzeitig stärkt das Modell regionale Wertschöpfungsketten – von der Landwirtschaft bis zur Produktion – und bietet eine ressourcenschonende Alternative zu konventionellen Baustoffen.

Kontakt

Ministerium für Wissenschaft,
Energie, Klimaschutz und Umwelt

des Landes Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg

Telefon: +49 391 567- 1950
E-Mail: pr(at)mwu.sachsen-anhalt.de

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